Letztes Update am Mo, 05.02.2018 13:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Frau geriet bei Fastnachtsumzug in Kessel mit heißem Wasser

Die Frau war während eines Umzuges in Baden-Württemberg von verkleideten Hexen über den Kessel mit heißem Wasser gehalten worden und dabei bis zu den Kniekehlen hineingeraten.

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Stuttgart – Nach einem Unfall bei einem Fastnachtsumzug in Eppingen nahe Heilbronn mit einer schwer verletzten 18-Jährigen sucht die Polizei zwei als Hexen verkleidete Personen. Gegen sie werde wegen fahrlässiger Körperverletzung und möglicher unterlassener Hilfeleistung ermittelt, sagte Polizeisprecher Achim Küller am Montag in Heilbronn. Die junge Frau wurde am Samstagabend beim Nachtumzug in einem Kessel mit siedend heißem Wasser schwer an den Beinen verbrüht.

Zum Spaß hätten Freunde der 18-Jährigen die Frau den Hexen sozusagen ausgeliefert, sagte Küller. Die eine Hexe einer Gastzunft habe die Zuschauerin gegriffen, hochgehoben und über einen zur Show dampfenden Hexenkessel mit heißem Wasser gehalten. Eine andere Hexe habe den Kessel geöffnet. Dann gerieten die Beine der Frau bis zu den Kniekehlen ins Wasser. Warum, müsse noch ermittelt werden.

Verletzte einfach zurückgelassen

Die Hexen hätten sie nach dem Unfall mit schweren Verbrühungen zurückgelassen. Die junge Frau wurde in eine Spezialklinik gebracht, wo sie wohl ein bis zwei Wochen bleiben müsse, sagte Küller. Man habe sechs Personen der Zunft ermittelt, die den Wagen gestellt hatten. Der Kessel habe über einer Feuerstelle auf einem Wagen gestanden, der von mehreren Menschen gezogen wurde. Diese seien nach dem Vorfall einfach weitergegangen, ohne sich um die Verletzte zu kümmern.

Nach Angaben der Stadt Eppingen entsprach der Wagen den Auflagen. Er sei vor dem Umzug vom Ordnungsamt abgenommen worden, sagte eine Sprecherin. Es habe keine Beanstandungen gegeben. Allerdings habe sich zu dem Zeitpunkt kein heißes Wasser auf dem Fahrzeug befunden.

Zunft nie negativ aufgefallen

Hexenfeuer und -kessel seien in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht üblich, sagte die Stadtsprecherin. „Uns waren Ereignisse dieser Art aufgrund von solchen Kesseln nicht bekannt.“ Die Zunft, zu der der Wagen gehörte, sei seit vielen Jahren bei dem Umzug dabei und noch nie negativ aufgefallen. Der Vorfall werde nun kritisch aufgearbeitet. Über Konsequenzen könne man aber noch nichts sagen. „Das Wichtigste ist im Moment, wie es der jungen Frau geht.“

Wie der Verein „Hexenzunft Eppingen“ auf seiner Internetseite schreibt, findet der Nachtumzug seit 2003 am Samstag vor dem „Fasnetswochenende“ statt. Bei dem Umzug, bei dem Hunderte Menschen mitmachen, verkleiden sich die Teilnehmer als Hexen. Die Zunft veröffentlichte am Wochenende bei Facebook zahlreiche Bilder des Umzugs - allerdings, ohne auf den Vorfall einzugehen. Von zahlreichen Nutzern gab es dafür Kritik.

„So etwas darf nicht passieren“, hatte Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke (parteilos) am Wochenende der „Heilbronner Stimme“ gesagt. Der Vorfall sollte an diesem Montag im Rathaus aufgearbeitet werden. (dpa)