Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Innsbruck

Nachbarin vermutete Misshandlung: Polizei mit Vorwürfen konfrontiert

Ein Paar aus Innsbruck hört, wie sich ihre Nachbarn lauthals streiten. Sie vermuten, dass die Frau misshandelt wird und alarmieren die Polizei. Doch die Beamten reagieren nicht so, wie erhofft.

© TT / Thomas Böhm(Symbolfoto)



Innsbruck – Eine Wohnung im Innsbrucker Westen war am späten Montagabend möglicherweise Schauplatz eines Gewaltverbrechens. Möglicherweise deshalb, weil die Wohnung von den Polizeibeamten nicht lokalisiert werden konnte. Und das führte jetzt zu einer Beschwerde, die am Mittwoch beim Innsbrucker Stadtpolizeikommando einging.

Es war gegen 23.30 Uhr im Haus Sieglangerufer 99, als „mein Freund und ich Trampelgeräusche hörten“, schildert eine Bewohnerin. „Es klang, als würde jemand gegen die Wand geschleudert. Wir hörten auch eine Frau wimmern und eine Männerstimme im Tiroler Dialekt schreien.“ Es sei einfach schrecklich gewesen, nicht zu vergleichen mit einem üblichen Streit. „Da ist eine Frau schwer misshandelt oder auch vergewaltigt worden“, vermutet die Zeugin, die dann auch die Polizei alarmierte. Als die Beamten eintrafen, war es plötzlich ruhig. Die Polizisten klopften an sämtliche Türen, konnten aber die Wohnung nicht ausfindig machen. „Es kamen eigentlich nur vier Wohnungen in Betracht, da hätte man eben die Türen einschlagen müssen, immerhin ging es vielleicht um Leben oder Tod“, kritisiert die Zeugin.

Stadt-Polizeikommandant Martin Kirchler nimmt die Polizisten in Schutz: „Die Beamten müssen in wenigen Minuten vor Ort abwägen, ob es verhältnismäßig ist, mehrere Wohnungstüren aufzubrechen.“ Dabei sei auch abzuwägen, wie die Aussagen der Zeugen zu werten sind, da eigene Wahrnehmungen für die Beamten nicht möglich waren. (tom)




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