Letztes Update am Fr, 09.02.2018 12:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Schwarzarbeit bei Erntehelfern: Tiroler Gemüsebauern vor Gericht

Ein Tiroler Gärtner-Ehepaar stand heute in Innsbruck wegen organisierter Schwarzarbeit und betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs vor Gericht.

© Böhm(Symbolfoto)



Innsbruck – Vor zwei Jahren war es in Tirol ein Riesenthema: Die Finanzbehörden hatten verlautbart, organisierter Schwarzarbeit in der Landwirtschaft auf die Spur gekommen zu sein. Es ging um rumänische Erntehelfer, die zwischen 2013 und 2015 nicht angemeldet ihre Feldarbeiten verrichtet haben sollten. Anfänglich war die Dimension der Angelegenheit anscheinend noch nicht voll umfänglich klar. Abgabenhinterziehungen in Millionenhöhe wurden befürchtet.

Am Freitag am Landesgericht Innsbruck musste sich dafür ein Tiroler Gärtner-Ehepaar wegen organisierter Schwarzarbeit und betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs vor Richter Bruno Angerer verantworten. Verteidiger Hubert Stanglechner wies jedoch schon im Eröffnungsplädoyer darauf hin, dass von dem groß angekündigten Finanzskandal nichts übrig geblieben sei. So lautete die Anklage letztlich auf die Hinterziehung von rund 100.000 Euro wegen gegenüber der Finanz falsch deklarierter Überstunden.

Verfälschte Arbeitsaufzeichnungen

Da die rumänischen Erntearbeiter diese Überstunden laut Kollektivvertrag nicht hätten leisten dürfen, hatten die Tiroler Gemüsebauern sich für ein kreatives Buchhaltungssystem entschieden und deren Steuerberater für die Finanzbehörden unrichte Arbeitsaufzeichnungen zukommen lassen. Ein separates System diente betriebsintern jedoch zur korrekten Verrechnung der geleisteten Arbeitsstunden.

Verteidiger Stanglechner: „Die Erntehelfer hatten zwar zu viel gearbeitet, für die Überstunden jedoch ihr Geld bekommen. Nur aus diesem Grund sind sie überhaupt nach Österreich gekommen, um hier in kurzer Zeit möglichst viel zu verdienen.“ Der Vertreter der Korruptionsstaatsanwaltschaft, Günther Höllwarth, merkte jedoch an, dass durch die frisierte Arbeitsaufzeichnung natürlich Arbeitsstundenbemessungsgrundlagen verfälscht worden waren und somit mehrfach Schäden zugefügt worden wären.

Den letztlich insgesamt bezifferbaren Schaden im 100.000-Euro-Bereich hat das Ehepaar bereits wieder gut gemacht. Um rechtlich abzuklären, ob für die bislang unbescholtenen Abgabenhinterzieher, die sich durch ihr Handeln auch wettbewerbsrechtlich eine bessere Position verschafft hatten, noch eine Diversion mitsamt hoher Geldbuße möglich ist, wurde der Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt. Bei einem Schuldspruch drohen allerdings bis zu drei Jahre Haft. (fell)