Letztes Update am Do, 08.03.2018 22:16

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schweden

U-Boot-Mordprozess: Angeklagter bestritt Mord an Journalistin

Der dänische Erfinder Peter Madsen bleibt bei seiner Aussage, dass er die Journalistin Kim Wall nicht getötet hat. Es gibt aber zahlreiche Widersprüche in seinen früheren Aussagen.

© APA/AFP/Ritzau ScanpixReger Andrang herrschte vor dem Prozessauftakt in Kopenhagen.



Kopenhagen – Zum Auftakt seines Mordprozesses in Kopenhagen hat der dänische U-Boot-Tüftler Peter Madsen den Vorwurf des Mordes an der schwedischen Journalistin Kim Wall zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft zeichnete am Donnerstag vor Gericht dagegen das Bild eines sexuell perversen Sadisten, der von Enthauptungen besessen war.

Er bleibe dabei, dass er Kim Wall nicht getötet habe, sagte Madsen vor Gericht. In Polizeiverhören habe er sich nur deshalb mehrfach widersprüchlich zu Walls Schicksal geäußert, um deren Angehörigen die „schrecklichen“ Umstände ihres Todes durch einen Unfall zu ersparen. Die junge Frau sei nach einem plötzlichen Druckabfall an Bord gestorben.

Wall hatte Madsen am 10. August vergangenen Jahres auf dessen U-Boot besucht, um ein Interview mit ihm zu führen. Einen Tag später sank das U-Boot in der Köge-Bucht vor Kopenhagen, Madsen wurde gerettet. Er gab zunächst an, die Journalistin am Vorabend wohlbehalten an Land abgesetzt zu haben.

Leiche wies Schnitt- und Stichverletzungen auf

Teile von Walls Leiche wurden später im Meer entdeckt, sie wiesen Schnitt- und Stichverletzungen auf. Madsen machte in Verhören widersprüchliche Äußerungen zum Schicksal der Journalistin. Unter anderem gab er an, sie sei gestorben, als ihr die Luke des U-Boots auf den Kopf gefallen sei. Ihr später gefundener Schädel wies jedoch keine entsprechenden Verletzungen auf.

Dem 47-Jährigen wird vorgeworfen, Wall an Bord seines selbst gebauten U-Boots gefesselt, misshandelt und ermordet zu haben, bevor er ihre Leiche zerstückelte und in Plastiksäcken im Meer versenkte.

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen zitierte vor Gericht aus einem psychologischen Gutachten, wonach Madsen „extrem unzuverlässig“ und „hochgradig sexuell abartig“ sei. Der 47-Jährige weise narzissistische und psychopathische Züge auf, sei manipulativ und habe einen „schweren Mangel an Mitgefühl und Reue“.

„Geköpftes Mädchen Todeskampf“

Der Staatsanwaltschaft zufolge suchte Madsen in der Früh des 10. August - wenige Stunden vor Walls Tod - mit den Stichworten „geköpftes Mädchen Todeskampf“ im Internet, woraufhin ein entsprechendes Video zu finden sei. Wenige Tage vorher, am 26. Juli, habe er ähnliche Videos angeschaut, sagte Buch-Jepsen.

Im Gerichtssaal anwesend waren auch die Eltern von Kim Wall. Auf einem Bildschirm wurden die letzten SMS gezeigt, welche die 30-Jährige von Bord des U-Boots an ihren Freund geschickt hatte, bevor es auf Tauchfahrt ging. „Ich lebe übrigens noch“, schrieb sie am 10. August um 20.15 Uhr augenzwinkernd. „Wir gehen jetzt runter. Ich liebe Dich!!!!!!“ Eine Minute später schickte sie eine letzte Nachricht: „Er hat Kaffee und Kekse mitgebracht.“

Anklage sieht Tat mit sexuellem Hintergrund

Die Anklage wirft Madsen neben Mord schweren sexuellen Missbrauch sowie Leichenschändung vor. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft folterte und tötete der 47-Jährige die junge Frau, um seine sexuellen Fantasien auszuleben. Er habe den Mord geplant und eigens Messer, spitze Schraubenzieher, Plastikschnüre und Rohre an Bord gebracht, um seinen Plan in die Tat umsetzen zu können.

Eine Autopsie der zerstückelten Leiche brachte keine Klarheit über die Todesursache. Die Ermittler gehen davon aus, dass Madsen Wall erwürgte oder ihr die Kehle durchschnitt. Der Prozess ist bis zum 25. April angesetzt. Insgesamt 37 Zeugen sind geladen, darunter Gerichtsmediziner und andere Experten.

Kim Wall arbeitete als freie Journalistin und war stets auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten. Nach ihrem Tod gründeten ihre Familie und ihre Freunde eine Stiftung in ihrem Namen. Sie soll Journalistinnen bei Auslandseinsätzen unterstützen und für deren Sicherheit sorgen. Ein erstes Stipendium soll am 23. März ausgezahlt werden, Kim Walls Geburtstag. (APA/AFP)

Die Anwältin von Peter Madsen, Betina Hald Engmark.
- Reuters

Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Frankreich
Frankreich

Schüsse in Straßburg: Drei Tote, 12 Verletzte, Täter auf der Flucht

Der malerische Weihnachtsmarkt in Straßburg zieht jedes Jahr viele Besucher an. Nun hält der Terror in der Stadt im Elsass Einzug. Ein Mann eröffnete das Feu ...

USA
USA

Verurteilter Mörder und Vergewaltiger in Texas hingerichtet

Der 43-Jährige wurde mit einer Giftspritze getötet. Es war die 13. Hinrichtung in dem Südstaat in diesem Jahr.

Deutschland
Deutschland

Münchner Amoklauf: Prozess um Darknet-Waffenkauf geht zu Ende

Ein junger Mann begeht in München einen Amoklauf. Jetzt steht ein Informatiker in Karlsruhe vor Gericht, der dem Täter den Kauf der Waffe auf einer von ihm b ...

37,7 Millionen Euro
37,7 Millionen Euro

Schlag gegen Mafia in Österreich: Clans wuschen ihr Geld in Tirol

Österreichweit wurden Immobilien und Konten im Wert von über 37 Millionen Euro konfisziert. Drei Wohnungen liegen in Innsbruck.

Tirol
Tirol

79 Anzeigen nach Krampuslauf in Reutte

Das feurig-wilde Krampustreiben am 1. Dezember in Reutte hat für zahlreiche Teilnehmer ein juristisches Nachspiel.

Weitere Artikel aus der Kategorie »