Letztes Update am Di, 17.04.2018 06:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Online-Liebesschwindel

Betrugsmasche ,,Love Scam“: Tirolerin überwies Tausende Euro

Durch einen Fall des sogenannten „Love Scammings“ wurde eine Tirolerin um viel Geld betrogen. Durch vorgetäuschte Liebe versuchen Fremde, ihren Opfern Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Polizei rät trotz geringer Erfolgsquote immer zur Anzeige.

© Cesar Okada, iStock(Symbolbild)



Von Tamara Stocker

Innsbruck – Und plötzlich poppt da eine Freundschaftsanfrage auf. Auf seinem Profilbild lächelt der Fremde freundlich – ein Klick reicht, dann folgt schon eine nette Nachricht. Erst kommt man ins Gespräch, später ins Schwärmen. Bis einem am Ende nicht nur das Herz, sondern auch das Vermögen geraubt wird.

Eine Innsbruckerin (47) hat genau das erlebt. Sie fiel auf die im Internet vielfach verbreitete Betrugsmasche „Love Scam“ herein und überwies einem Mann, der sich als US-Soldat ausgegeben hatte, mehrere Tausend Euro. Mehr als ein Jahr lang kommunizierte sie beinahe täglich mit dem Fremden, der vorgab, 56 Jahre alt und im afghanischen Kabul stationiert zu sein.

Erst viel später geht‘s ums Geld

„Love Scamming“ beginnt stets harmlos, so auch im Fall der Tirolerin, die mittlerweile Anzeige erstattete. Die ersten Nachrichten schrieben die beiden sich noch auf Facebook hin und her. Irgendwann wurden dann die Nummern ausgetauscht. Das Vertrauen wuchs, auch die Gefühle wurden stärker. Mit lieben Worten umgarnt der charmante Unbekannte seine Internetbekanntschaft. Tag für Tag.

Das Muster ist stets dasselbe: Die Gespräche drehen sich anfangs um Alltägliches, keineswegs um Geld. Um sich interessant zu machen, legen sich die „Scammer“ ungewöhnliche Lebensgeschichten zu. Vom trauernden Witwer, über den Geschiedenen, der um seine Kinder kämpft bis hin zum selbstlosen Sohn, der seine schwerkranken Eltern pflegt – das Leben des romantischen Hochstaplers ist häufig turbulent.

So wollte auch der Betrüger, dem die Tirolerin aufsaß, seinen vermeintlichen Dienst bei der US-Armee quittieren und sich mit ihr in Österreich eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Die Armee würde ihm allerdings kein Geld für den Flug geben – darum bat er die 47-Jährige, ihm einen niedrigen vierstelligen Geldbetrag zu leihen.

Tipps der Polizei

VORSICHT. Seien Sie bei Internetbekanntschaften immer vorsichtig und benutzen Sie nur seriöse Partnervermittlungsagenturen.

SKEPSIS.

Seien Sie immer skeptisch, wenn Sie jemand in Englisch anschreibt.

KEIN MITGEFÜHL.

Stellen Sie Testfragen und prüfen Sie, ob die Antworten Ihres Internetpartners stimmen können. Lassen Sie auf keinen Fall Mitleid aufkommen, mag die Geschichte des Unbekannten noch so dramatisch sein.

ANVERTRAUEN.

Sprechen Sie mit Freunden oder Bekannten über Ihre Internetbekanntschaft, vor allem, wenn Sie Zweifel haben.

NICHTS ÜBERWEISEN.

Überweisen Sie niemals Geld an einen Unbekannten.

ANZEIGE ERSTATTEN.

Falls Sie ein ungutes Gefühl haben und annehmen, dass es sich um einen Betrüger handelt, erstatten Sie sofort die Anzeige.

Auf eine Überweisung folgten die nächsten

Vor Liebe erblindet überlegte die Frau nicht lange und überwies ihrer Internetbekanntschaft den gewünschten Betrag. Auf seine Anreise konnte sie aber noch lange warten – denn der 56-Jährige begann, ihr weitere Märchen aufzutischen. Er bräuchte zusätzliche finanzielle Mittel für diverse Unterlagen, um aus der Armee austreten zu können. Später habe er Arztkosten zahlen müssen, da er angeschossen wurde.

Somit wanderten erneut viele Tausend Euro auf das Konto des Fremden in der Ferne. Irgendwann wurde die Tirolerin aber dann doch skeptisch. Als sie kein Geld mehr überwies, wurde sie am 12. April von einem angeblichen General der amerikanischen Armee kontaktiert. Die 47-Jährige ließ den Unbekannten wissen, dass sie Anzeige erstatten werde. Daraufhin gab ihr der „General“ zu verstehen, dass die Polizei für derlei Angelegenheiten nicht zuständig sei, sie sich gegenüber ihm kooperativ zeigen und alles tun sollte, was verlangt werde.

Das ist nicht untypisch. In vielen Fällen werden die Opfer von einem vermeintlichen Angehörigen, Bekannten, Polizisten oder Arzt kontaktiert, die noch mehr Druck auf die Betrogenen ausüben sollen. In ihrer Verzweiflung fasste sich die Tirolerin schließlich doch ein Herz und wandte sich am Montag an die Innsbrucker Polizei.

Ermittlungen im Ausland schwierig

Ist die Anzeige erst raus, sind die IT-Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) am Zug, wie Polizei-Pressesprecher Christian Viehweider gegenüber der Tiroler Tageszeitung Online erklärt. Als erster Schritt müsse alles an Daten gesammelt werden, die den Täter betreffen. Namen, Nummern, E-Mailadressen, Chatverläufe. Ist die IP-Adresse ausfindig gemacht, stößt man im Normalfall auf den Provider (dt. Anbieter), der Daten über die gesuchte Person besitzt. „Da der aber meist im Ausland sitzt, muss man über ein Rechtshilfeersuchen die dortigen Behörden kontaktieren“, führt Viehweider weiter aus. Das sei ein langwieriger Prozess, zudem sei die Rechtslage auch von Staat zu Staat unterschiedlich. Viele Provider müssen daher Daten gar nicht speichern oder haben unterschiedliche Aufbewahrungsfristen.

Dass die 47-jährige Tirolerin ihr Geld wieder bekommt, ist zwar unwahrscheinlich – Polizei-Pressesprecher Viehweider rät Betroffenen aber dennoch „unbedingt“ zur Anzeige: „Es kann immer sein, dass es sich um einen Seriendelikt handelt. Wenn mehrere Sachen zusammenkommen, erweitern sich auch die Möglichkeiten, den Betrügern auf die Spur zu kommen. Je höher der Schaden ist, desto höher sind auch die Erfolgsaussichten.“