Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 14.05.2018


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Unfall in Seefeld: Schild reicht als Warnung vor Golfball

Ein Unfall in Tirol führte zum ersten höchstgerichtlichen Spruch zu Sicherungspflichten auf Österreichs Golfplätzen.

© iStockSymbolbild.



Von Reinhard Fellner

Wien, Seefeld – Seit 1969 wird in Seefeld-Wildmoos in herrlicher Natur dem Golfsport gefrönt. Seit Beginn schlängeln sich auch zwei Wanderwege des Seefelder Tourismusverbandes durch das Golfplatzareal. Ein verirrter Golfball, der auf so einem Weg einen 13-jährigen Wanderer am Kopf verletzt hatte, führte nun zur ersten höchstgerichtlichen Rechtsprechung zu Verkehrssicherungspflichten auf österreichischen Golfplätzen.

Was war passiert? Ein 13-Jähriger war am Unfalltag als Mitglied einer Jugendgruppe auf einem Wanderweg durch den Golfplatz unterwegs. Zeitgleich befand sich am Golfplatzareal ein Spieler mit seiner Ehefrau. Dieser hatte vor dem Abschlag noch extra die Gruppe gefragt, ob nach ihr der Weg frei wäre zum – gefahrlosen – Abschlag. Dies kontrollierte am Wegesrand dann auch noch die Frau des Spielers. Genützt hat alles nichts. Durch einen Fehlschlag hatte der Spieler den Ball seitlich erwischt, worauf der erst 21 Meter entfernte 13-Jährige am Kopf getroffen worden war.

Für seine Verletzungen klagte der Bursche auf 7900 Euro Schmerzensgeld. Nachdem die erste Instanz weder eine Haftung bei Spieler noch Golfplatz sah, beurteilte dies das Landesgericht (LG) als Berufungsinstanz umgekehrt. Dagegen erhob der Telfer Rechtsanwalt Erich Pfanzelt Revision beim Obersten Gerichtshof (OGH). Pfanzelt argumentierte, dass der Golfklub gleich zweifach für Sicherheit gesorgt hatte. Einerseits mit Warntafeln, die jeweils 70 Meter vor dem Kreuzungsbereich Wanderer in drei Sprachen auf die Gefahr hinweisen und Verhaltensregeln aufweisen. Andererseits durch die Sonderplatzregeln des Vereins, in denen Spieler im Bereich dieser Kreuzungen besondere Rücksicht auf die Wanderer zu nehmen haben. Auch sei so ein „Jahrhundertfehlschlag“ ein unvorhersehbares Ereignis.

RA Pfanzelts Revision erschien dem OGH berechtigt: „Die Anforderungen für die Verkehrssicherungspflicht dürfen nicht überspannt werden. Sie findet ihre Grenze in der Zumutbarkeit möglicher Maßnahmen der Gefahrenabwehr. Ausgehend davon ist dem Golfplatz keine schuldhafte Verletzung der Verkehrssicherungspflichten anzulasten“, so der OGH. Die Höchstrichter präzisieren weiter: „Dass Wanderer durch abgeschlagene Golfbälle gefährdet sind, wenn sie den Platz bei Spielbetrieb queren, entspricht der Lebenserfahrung. Durch die deutlich sichtbaren Warntafeln war der Kläger auf die mit der Querung der Spielbahn verbundenen Gefahren hingewiesen. Eine bauliche Schutzbarriere ist auf Golfplätzen nicht üblich.“ Bleibt der Spieler als Haftender. Dieser hatte laut LG mit einem sicheren Abschlag lediglich spekuliert. Dies wurde als Sorgfaltswidrigkeit ausgelegt.