Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.05.2018


17-jähriger tot

Messerstecherei in Imst: „Es hat uns sehr betroffen gemacht“

Fassungslosigkeit in Imst nach einer tödlichen Messerstecherei am Sonntag. Das Opfer, ein Tischlerlehrling aus Lustenau (17), war laut Bekannten „ruhig und unauffällig“. Der mutmaßliche Täter schweigt indes weiter.

© PaschingerElf Kerzen erinnern gestern auf dem Parkplatz vor dem Sportzentrum an die tragische Bluttat vom Sonntag.Foto: TT/Paschinger



Von Benedikt Mair und Alexander Paschinger

Imst, Lustenau — Gestern Morgen kann nur noch erahnt werden, wo sich die Bluttat vor dem Imster Sportzentrum im Morgengrauen des Sonntags abgespielt hat. Ein Bauhofmitarbeiter schiebt einen kleinen Kehrwagen über den Parkplatz. An der Bordsteinkante brennen elf Kerzen für das Todesopfer — ein erst 17 Jahre alter Tischlerlehrling. Am Sonntagmorgen hatte ihm angeblich ein 19-jähriger Imster ein Messer in den Leib gerammt. Zweimal hatte dieser zugestochen — in die Brust und in den Beckenbereich. Laut Obduktionsbericht war der Stich in die Brust tödlich.

„Schlimm. Man hört und liest ja immer wieder davon. Aber dass das in Imst auch passieren kann, ahnt man nicht", schüttelt Rudi Tagwerker, Leiter der städtischen Sportanlage, den Kopf. Und Andreas Knabl, Chef der örtlichen Kletterhalle, fragt sich, „warum jemand überhaupt ein Messer dabei hat, wenn er zu einer Party geht". Zu dem tödlichen Zwischenfall war es, wie berichtet, nach einer „Project X"-Mottoparty im Glenthof Imst gekommen. Ein Streit zwischen sieben Jugendlichen war eskaliert. Eine der Gruppen bestand aus drei Vorarlberger Freunden. Die andere aus einem 16- und einem 19-jährigen Tiroler, einem 18 Jahre alten albanischen Staatsbürger und einem türkischen Staatsangehörigen (18), alle wohnhaft in Imst. „Da überlegt man schon, wie man später einmal reagiert, wenn die eigenen Kinder zu einer Party wollen", sagt Knabl.

Bürgermeister: Tragischer Einzelfall

Die tödliche Messerstecherei war gestern Stadtgespräch. Bestürzt reagiert auch Bürgermeister Stefan Weirather. „Es hat uns alle sehr betroffen gemacht." Er spricht aber von einem tragischen Einzelfall und würde „jetzt nicht anfangen, die Sicherheit in der Stadt allgemein in Frage zu stellen". Der Obmann des Jugendausschusses im Imster Gemeinderat, Thomas Greuter, ist „schockiert". Und „welche Konsequenzen gezogen werden müssen, das wird uns in der Stadtpolitik sicher demnächst beschäftigen". Die Gemeinde werde jedenfalls „alles tun, um die Sicherheit zu gewährleisten".

Gerüchte über angebliche Lücken im Sicherheitskonzept der Party — so soll etwa beim Einlass nicht ausreichend kontrolliert worden sein — wies der Veranstalter gestern entschieden zurück. „Uns wurden laut Sicherheitskonzept 15 Security-Mitarbeiter für 1500 Gäste vorgeschrieben, wir haben insgesamt 20 eingesetzt, um die Sicherheit unserer Gäste zu gewährleisten. Die Securitys waren professionelle Mitarbeiter der Tiroler Firma SBSA", schreibt Florian Fellier von der Imster Firma Innomind gestern in einer Aussendung. Laut Veranstaltungsbescheid seien die Security-Mitarbeiter bis 4.00 Uhr vorgeschrieben gewesen. „Wir haben deren Einsatz auf eigene Initiative bis 5.00 Uhr verlängert."

Alle Sicherheitsvorgaben aus dem Veranstaltungsbescheid habe man „vollumfänglich" erfüllt, versichert Fellier weiter. „Als Veranstalter sind wir sehr betroffen, unser Mitgefühl gilt den Angehörigen des jungen Mannes."

Auch in Lustenau, der Heimat des Opfers, sitzt der Schock tief. Wie Bekannte des 17-jährigen Tischlerlehrlings gegenüber den Vorarlberger Nachrichten berichten, sei er ein überaus „ruhiger und unauffälliger" junger Mann gewesen. Noch wenige Stunden vor der Tat, am Samstag gegen 17 Uhr, will einer von ihnen den Burschen noch im Zug getroffen haben. „Er hat erzählt, dass er gerade auf dem Weg zu einer Party nach Tirol sei."

Freunde des Opfers befragt

Noch mitten in den Ermittlungen stecken derweil die Beamten des Tiroler Landeskriminalamtes (LKA). „Die 17 und 20 Jahre alten Freunde des Opfers wurden gestern in ihrer Heimat in Vorarlberg befragt. Ergebnisse liegen aber erst am Dienstag vor", sagt Katja Tersch vom LKA. Aufgenommen seien inzwischen die Aussagen des mutmaßlichen Täters und seiner drei Freunde. „Der 19-Jährige und ein weiterer Bursche aus der Gruppe schweigen. Und die Aussagen der anderen beiden waren sehr unkonkret, sodass wir immer noch nichts zu Tat­hergang und -motiv sagen können." Unbestätigten Berichten zufolge ist der 17-Jährige Lustenauer zu Boden gerissen worden. Dann soll auf den Wehrlosen eingestochen worden sein.

Philipp Scheiring, Leiter des Imster Jugendzentrums „JayZee", war besonders geschockt. „Ich bin aus allen Wolken gefallen. 16- bis 21-Jährige — das sind genau die Jugendlichen, die bei uns verkehren." Und tatsächlich kenne er die mutmaßlich in den Fall verwickelten Burschen — die einen besser, die anderen schlechter. Der 16-jährige Einheimische sei etwa „ein netter Kerl, der aber selbst von sich sagt, dass er aggressiv wird, wenn man ihn provoziert".

Alle vier an der Tat beteiligten Imster befinden sich derzeit noch in Gewahrsam, sagt die LKA-Ermittlerin Tersch. „Erst wenn alle Aussagen da sind, werden wir die Staatsanwaltschaft informieren."




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