Letztes Update am Mi, 16.05.2018 06:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


17-Jähriger tot

Messerstecherei in Imst: U-Haft über 19-Jährigen verhängt

Das Motiv für die tödliche Messerstiche am Sonntag ist weiter unklar. Seine Begleiter sind auf freiem Fuß.

© www.zeitungsfoto.atVor dem Sportzentrum im Imst eskalierte ein Streit unter Jugendlichen.



Imst, Innsbruck – In Untersuchungshaft sitzt seit gestern ein 19-jähriger Einheimischer. Er wird beschuldigt, am frühen Sonntagmorgen auf dem Parkplatz beim Imster Sportzentrum zweimal auf einen 17 Jahre alten Lustenauer eingestochen zu haben. Kurz nach dem Angriff starb der junge Tischlerlehrling. Drei Burschen, die den Hauptverdächtigen zum Tatzeitpunkt begleiteten, wurden auf freien Fuß gesetzt.

„Gegen den Imster liegt der dringende Tatverdacht des Mordes vor“, sagt Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Seine Freunde – ein 16-jähriger österreichischer Staatsbürger, ein 21-jähriger Türke und ein albanischer Staatsbürger (18) – wurden aus dem Gewahrsam entlassen. „Ein dringender Tatverdacht zu einem Mordbeitrag liegt bei ihnen nicht vor“, erklärt Mayr die Entscheidung des Ermittlungsrichters. Sie machten teils von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Auch der mutmaßliche Täter schweigt weiterhin eisern zu den Vorwürfen.

Motiv weiter unklar

Unklar ist weiterhin auch der Grund, warum die zwei Gruppen von Jugendlichen am Wochenende aneinandergeraten waren. Dazu Katja Tersch, Ermittlerin des Tiroler Landeskriminalamtes (LKA): „Weder das Motiv noch der genaue Tat­hergang sind uns bisher bekannt. Auch die Befragung der Freunde des Opfers hat nichts Konkretes ergeben.“ Man müsse zudem noch die endgültigen Auswertungen der Ergebnisse der Spurensicherung abwarten. „Wir hoffen, dass diese ein bisschen mehr Licht in die ganze Angelegenheit bringen.“

Gesichert ist inzwischen, dass die beiden Gruppen, bestehend aus drei beziehungsweise vier Jugendlichen, eine große Party, die in etwa bis 4 Uhr morgens dauerte, unweit des Tatortes besucht haben. „Den ganzen Abend über hat es wohl schon verbale Auseinandersetzungen unter ihnen gegeben. Auch am Parkplatz haben sich die Gruppen zuerst nur beschimpft, bevor der Streit dann kurz nach 5 Uhr eskaliert ist“, sagt Tersch.

„Zündschnur bei jungen Menschen wird immer kürzer“

Dass es bisher immer ruhig gewesen sei und er wegen des tragischen Vorfalls keine Debatte um die Sicherheit in der Stadt vom Zaun brechen möchte, bekräftigte gestern der Imster Bürgermeister Stefan Weirather. „Mir scheint es aber schon so, dass die Zündschnur bei jungen Menschen immer kürzer wird. Und wenn noch dazu Alkohol mit ins Spiel kommt, dann kann die Situation ganz schnell explodieren.“ Jedenfalls glaubt Weirather nicht, dass man in seiner Gemeinde nach dem Tod des jungen Vorarlbergers schnell wieder zur gewohnten Tagesordnung übergehen könne.

Die Polizei geht unterdessen nicht davon aus, dass die Jugendlichen an dem Abend übermäßig viel Alkohol konsumiert haben. Sicher sei getrunken worden, sagt LKA-Ermittlerin Tersch, „aber es hat keine Hinweise darauf gegeben, dass in derart rauen Mengen Alkohol konsumiert worden ist, dass die Tat davon beeinflusst oder dadurch ausgelöst worden wäre“. (bfk, pascal, fell)