Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.05.2018


Unterland

100 Betrugsfakten angeklagt: Makler drohen 10 Jahre Haft

Ein Unterländer Makler überwies sich Versicherungsleistungen von 400.000 Euro direkt aufs eigene Konto. 80 Zeugen sollen zum Prozess.

© dpa/BurgiHat sich die Lebensversicherung ertragsmäßig schlecht entwickelt, könnte man einen Ausstieg prüfen.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – 2016 klickten im Unterland nach Anzeigen mutmaßlich geprellter Versicherungskunden die Handschellen für deren Makler. Nun hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck nach umfangreichsten Ermittlungen gegen einen selbstständigen Versicherungsmakler Anklage wegen gewerbsmäßig schweren Betruges und Fälschung von Beweismitteln erhoben.

Staatsanwalt Hansjörg Mayr auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung: „Dem Mann wird vorgeworfen, sich zwischen 2010 und 2016 Versicherungszahlungen im Ausmaß von insgesamt über 400.000 Euro zugeeignet zu haben. Da er teils über Vollmachten seiner Kunden verfügte hatte, hatte der Makler in Versicherungsfällen gegenüber der Versicherung statt dem Bankkonto des Kunden sein eigenes Konto angegeben und sich so die Zahlung oder Teilzahlungen auf sein Konto überweisen lassen.“

In manchen Fällen hatte der Unterländer laut Staatsanwaltschaft aber sogar Lebensversicherungen seiner Kunden aufgelöst und sich die Rückkaufssumme überweisen lassen oder hatte Schadensfälle (großteils Glasbruchschäden) unter Verwendung der Kundendaten und gefälschter Rechnungen einfach gegenüber der Versicherung vorgetäuscht und Überweisungen auf eines seiner Privatkonten veranlasst. Insgesamt werden dem Angeklagten nicht weniger als über 100 Betrugshandlungen vorgeworfen. Ende 2015 ist einer Versicherung erstmals eine Unstimmigkeit bei der Auszahlung einer Lebensversicherung aufgefallen. Darauf haben auch andere Versicherungsunternehmen Anzeigen erstattet, weil aufgefallen war, dass der Makler für seine Kunden regelmäßig dieselbe Kontonummer bekannt gegeben hat.

Bei der Überprüfung der von ihm abgewickelten Versicherungsfälle hat sich der Makler erst damit gerechtfertigt, im Einvernehmen mit den Kunden gehandelt zu haben, und hat zum Beweis von mehreren Dutzend Kunden eidesstättige Erklärungen vorgelegt. Daraufhin wurden im Auftrag der Staatsanwaltschaft aber an die Kunden Fragebögen versendet, in denen sie um Angaben zu ihren Versicherungsangelegenheiten ersucht wurden.

Als dabei bekannt wurde, dass der Angeklagte den Kunden angeboten hatte, für sie auch diese Fragebögen auszufüllen, musste er kurzfristig in Untersuchungshaft genommen werden, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Tatsächlich wussten die Kunden von den eidesstättigen Erklärungen nichts – wenn überhaupt, dann haben sie diese ungelesen unterschrieben.

Der Angeklagte hat sich bereits großteils geständig gezeigt. Nach Rechtskraft der Anklage droht ihm eine zehnjährige Freiheitsstrafe. Tröstlich für die Kunden: Da beim Angeklagten ein großer Vermögensbetrag sichergestellt worden war, besteht für sie beim Prozess die Möglichkeit, ihre Schäden geltend zu machen.




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