Letztes Update am Fr, 18.05.2018 13:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Onkel soll Neffen in Neuss ermordet haben: Teilgeständnis

Die Tat im rheinischen Neuss sorgte für großes Entsetzen: Ein elfjähriger Schüler soll von seinem eigenen Onkel umgebracht worden sein. Am Freitag beginnt der Mordprozess.

© Thomas BöhmSymbolfoto.



Von Frank Christiansen, dpa

Neuss, Düsseldorf – Nach dem Tod eines elfjährigen Buben hat der wegen Mordes angeklagte Onkel die Tat vor Gericht teilweise gestanden. Er habe das Kind geschlagen und abwechselnd mit heißem und kaltem Wasser übergossen, es aber auf keinen Fall umbringen wollen, betonte seine Verteidigerin Dagmar Loosen am Freitag beim Auftakt des Prozesses vor dem Düsseldorfer Landgericht. Aus ihrer Sicht sei die Tat kein Mord, sondern Körperverletzung mit Todesfolge.

Als Nebenklägerin lauschte die Mutter des Buben weinend dem Bericht des Staatsanwalts über die letzten Stunden ihres Kindes. Die Anklage wirft dem Onkel vor, das Kind im Badezimmer einen so heftigen Schlag versetzt zu haben, dass dieser am 5. Oktober vergangenen Jahres rückwärts in die Badewanne stürzte und bewusstlos wurde. Dann soll der Mann, angeblich um das Kind zu wecken, diesem so heißes Wasser über den Kopf gegossen haben, dass der Elfjährige schwere Verbrühungen erlitt.

Obwohl der 41-Jährige erkannt habe, dass der Bub sich in einem kritischen Zustand befand, soll er anschließend kaltes Wasser in die Badewanne eingelassen und ihm seinem Schicksal überlassen haben. Er habe es wie einen Duschunfall aussehen lassen wollen, sagte der Staatsanwalt.Als die Frau des Angeklagten heimkehrte, habe das Kind völlig ausgekühlt und ohne Herzschlag in der Wanne gelegen. Erst dann habe der Onkel – obwohl er das Kind für tot hielt – mit der Reanimation begonnen und den Notruf gewählt. Die Staatsanwaltschaft wertet das Geschehen als sogenannten Verdeckungsmord.

Zwar sei es den Rettungskräften noch gelungen, den Bub wiederzubeleben. Durch den wuchtigen Schlag habe er aber eine lebensgefährliche Hirnschwellung erlitten. Als die lebenserhaltenden Geräte zwölf Tage später abgeschaltet wurden, sei das Kind sofort gestorben. Todesursache war laut Obduktion die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

Angeklagter selbst sechsfacher Vater

Zwei Tage nach der Tat war der Onkel festgenommen worden. Er hatte zunächst behauptet, der Elfjährige sei bei Streitereien in der Schule und auf einem Spielplatz verletzt worden. Später hatte er den Schlag gestanden.

„Mein Mandant übernimmt die Verantwortung für den Tod des Kindes“, sagte seine Verteidigerin Dagmar Loosen der Deutschen Presse-Agentur. Er habe dem Bub in einem spontanen Wutausbruch einen Schlag verpasst, ihn aber nicht töten wollen. „Er hat nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass er stirbt.“ Der Angeklagte sei selbst Vater von sechs Kindern. Bei keinem der Kinder seien Anzeichen für Gewalt festgestellt worden.




Schlagworte


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Frankreich
Frankreich

Schüsse in Straßburg: Feuergefecht bei Flucht des Täters

Bei einer Schießerei in der Nähe des bekannten Christkindlmarktes hat es zwei Todesopfer und neun Verletzte gegeben. Bei der Verfolgung des flüchtigen Schütz ...

Innsbruck
Innsbruck

20-facher Mord in Syrien: Lebenslange Haft für Angeklagten

Der Prozess gegen einen 29-Jährigen wegen des Vorwurfs des Mordes als terroristische Straftat ist am Dienstag am Landesgericht Innsbruck mit einem Schuldspru ...

Europaweite Fahndung
Europaweite Fahndung

16-Jährige in Steyr getötet: Verdächtiger in Wien festgenommen

Jener 17-Jährige, der am Sonntag seine 16-jährige Freundin in Steyr erstochen haben soll, wurde in Wien festgenommen. Nach dem Burschen war europaweit gefahn ...

Baubetrug
Baubetrug

Millionenschaden mit Scheinfirmen am Bau: Mehrjährige Haftstrafen

„Die Baubranche hat ein Problem“, konstatierte Oberstaatsanwalt Stephan Schmidmayer von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zu Beginn ...

Deutschland
Deutschland

Mordfall Peggy: Haftbefehl gegen 41-Jährigen erlassen

Im Mai 2001 verschwand die neunjährige Peggy in Bayern spurlos. 15 Jahre später wurde ihre skelettierte Leiche gefunden. Nun wurde ein Haftbefehl erlassen.

Weitere Artikel aus der Kategorie »