Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Tirol

Nur ein Millionen-Coup in den letzten Jahren geklärt

Kann die Tiroler Polizei die Nassereither Täter fassen oder bleiben sie unentdeckt?

© PolizeiDer Rekord-Coup im Dezember 2014.Foto: Polizei



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Beute im Wert von 900.000 Euro: Mit diesem Coup schrieben die noch unbekannten Täter Montagnacht zwischen Nassereith und Holzleitensattel Tiroler Kriminalgeschichte. Das Gold im Wert von einer halben Million und die 400.000 Euro in bar, die den brutalen Räubern in die Hände fielen, bedeuten Rang vier bei den finanziell erfolgreichsten Straftaten. Und die Räuber haben – zumindest statistisch betrachtet – gute Chancen, unentdeckt zu bleiben. Denn bisher galt: Je größer die Beute, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, die Täter zu überführen. Von den vier bisher erfolgreichsten Eigentumsdelikten sind drei teils seit Jahrzehnten ungeklärt. Die Ausnahme von dieser „Regel“ ist ausgerechnet der Coup mit der größten Beute in der Tiroler Kriminalgeschichte. Und der ging vor dreieinhalb Jahren in einer Geldtransportfirma im Innsbrucker Stadtteil Reichenau über die Bühne.

Es war am 20. Dezember 2014, als zunächst unbekannte Täter in die Schleuse des Unternehmens eindrangen. Und zwar mit einem Schlüssel, der einen Monat zuvor als gestohlen gemeldet worden war. Mit Schaum setzten die Diebe die Kameras außer Gefecht. Dann öffneten sie 13 Tresore mit den passenden Codes. Die Rekordbeute: 2,75 Millionen Euro.

Das Werk von Insidern, vermuteten die LKA-Ermittler. Und sie lagen richtig – ein halbes Jahr später konnten die Beamten zwei Ex-Mitarbeiter des Unternehmens und zwei weitere Komplizen, alle aus dem Großraum Innsbruck bzw. dem Wipptal, ausforschen und festnehmen. Ein beim Coup verwendetes Autokennzeichen war der Schlüssel zum Ermittlungserfolg. Das Kennzeichen war im Wald bei einer Wochenendhütte entdeckt worden. Und die Hütte gehörte einem Ex-Mitarbeiter der Firma.

Fast schon Legende ist der große „Flughafen-Raub“, der eigentlich ein besonders ausgeklügelter Diebstahl war. Im November 1987 verschwanden aus dem Laderaum einer Tyrolean-Maschine damals unvorstellbare elf Millionen Schilling (800.000 Euro). Ob die Geldsäcke beim Start in Innsbruck oder bei der Landung in Wien aus dem Flugzeug gefischt wurden, ist bis heute unklar. Ebenso wie die Identität der Diebe.

Ähnlich ausgeklügelt war der Betrug, bei dem ein Oberländer im Februar 1995 um 1,7 Mio. Euro geprellt wurde. Bei einem schnellen Devisengeschäft in einer Innsbrucker Bankzentrale (morgens kaufen, mittags verkaufen) hoffte der Unternehmer auf einen satten Gewinn. Um anonym bleiben zu können, übernahm ein Polizist die Rolle des Geldboten. Als der Beamte mittags den Einsatz wieder abholen wollte, war das Bankbüro leer und der „Mitarbeiter“ weg. Ein Mitarbeiter, den in der Bank niemand kannte. Und der noch immer nicht identifiziert ist.

Ähnlich mysteriös ist der Diebstahl von einer Million Euro im Februar 2006 aus einem Geldtransporter vor dem Innsbrucker Ikea. Die Täter kannten offenbar den Insider-Trick, mit dem sich der Panzerwagen ohne Schlüssel öffnen ließ. Ungeklärt.

Für die Täter von Nassereith schaut es dennoch nicht sonderlich rosig aus: In den letzten Jahren konnten die Ermittler des Landeskriminalamtes fast alle gröberen Raubdelikte klären.