Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.06.2018


Tirol

Prozess im Herbst: Mordanklage im Fall Lucile ist fertig

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat im Fall Lucile gegen jenen Fernfahrer, der bereits in Freiburg wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, Anklage erhoben. Im Herbst soll es zum Prozess kommen.

Die 20-jährige Austauschstudentin Lucile war 2014 in Kufstein erschlagen worden. 2016 schlug der mutmaßliche Täter in Endingen erneut zu.

© Zoom-TirolDie 20-jährige Austauschstudentin Lucile war 2014 in Kufstein erschlagen worden. 2016 schlug der mutmaßliche Täter in Endingen erneut zu.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Freiburg – Im Jänner 2014 war die französische Austauschstudentin Lucile in Kufstein ermordet worden. Warum und von wem die 20-Jährige aus Lyon aus vermutlich sexuell motivierten Gründen erschlagen worden war, blieb jedoch lange im Dunkeln. Bis die rege Zusammenarbeit des Tiroler Landeskriminalamtes mit deutschen Kollegen die kriminalistische Aufklärung des Verbrechens gemeinsam mit einem gleichgelagerten Mordfall an einer 27-jährigen Joggerin in Endingen im Jahr 2016 ermöglichte.

Wie von den Behörden bereits länger vermutet, handelte es sich beim Tatverdächtigen um einen Lkw-Fahrer. Der Rumäne Catalin C. (41) – für ihn gilt weiter die Unschuldsvermutung – hatte sich seine Opfer wohl rein zufällig ausgesucht. Am Landgericht Freiburg wurde über den zum Mord in Deutschland geständigen Familienvater im Dezember lebenslange Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verhängt. Danach sollte es zügig zum Prozess in Tirol kommen. Eine Revision gegen das Urteil am Bundesgericht in Karlsruhe hatte den Aktenfluss an die Innsbrucker Staatsanwaltschaft aber vorerst gebremst.

Nun hat die Innsbrucker Staatsanwaltschaft gegen Catalin C. jedoch Mordanklage im Fall Lucile erhoben. Die Anklage wurde bereits einem Innsbrucker Schwurgericht zugeteilt, dessen Vorsitz Strafrichter Günther Böhler haben wird.

Wie Andreas Stutter, Vizepräsident des Innsbrucker Landesgerichts, gestern der Tiroler Tageszeitung auf Anfrage bestätigte, wird die Anklage derzeit gerade ins Rumänische übersetzt, um sie dem Angeklagten im Rechtshilfeweg zukommen zu lassen. Indes wird dem Rumänen auch von der Tiroler Rechtsanwaltskammer ein Pflichtverteidiger zugewiesen werden.

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Sohin dürfte die Anklage wohl nicht vor dem Sommerende in Rechtskraft erwachsen. Darauf ist mit einem Schwurgerichtsprozess in Innsbruck jedoch fix im Herbst zu rechnen. Die Geschworenen werden übrigens am Landesgericht über eine reine Mordanklage entscheiden – ein weiterer Antrag auf Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ist mit der Anklage laut Landesgericht nicht verbunden. Schon in Deutschland war ja Sicherheitsverwahrung angeordnet worden.

Selbstredend droht dem Rumänen zum Urteil in Deutschland bei Schuldspruch auch in Österreich eine Verurteilung zu lebenslanger Haft. Noch ist Catalin C. jedoch in Gewahrsam der deutschen Justiz – eine Auslieferung ist noch nicht erfolgt.

Rechtsanwalt Michael Hohenauer (Kanzlei Heiss) vertritt im Fall Luciles Eltern. Hohenauer auf Anfrage der TT: „Für die Eltern ist nach so langer Zeit nun wichtig, dass es zum Prozess kommt, um die Tat zumindest auf dieser Ebene abschließen zu können.“ Hohenauer, der perfekt Französisch spricht, hat sich mit den Eltern dazu verständigt, dass man vom Angeklagten – zumindest symbolisch – wohl die Trauerkosten fordern wird.

Einstweilen wartet man in Deutschland noch auf die Revisionsentscheidung aus Karlsruhe. Eine Auslieferung nach Österreich zum Lucile-Prozess ist rechtlich jedoch auch bereits vor dem Berufungsurteil möglich.