Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.06.2018


Bezirk Reutte

Vermisste Lettin in Reutte: Seher führte zu Knochen

Der Vermisstenfall Tabita Cirvele ist um eine skurrile Facette reicher: Nach Hinweis eines Sehers fand ein Zeuge an der benannten Stelle bei Bichlbach Skelettteile.

Auch im Plansee ließ das Landeskriminalamt nach der abgängigen Tabita Cirvele suchen. Ohne Erfolg – von der zuletzt in Reutte wohnhaften Lettin fehlt noch immer jede Spur.

© Mittermayr HelmutAuch im Plansee ließ das Landeskriminalamt nach der abgängigen Tabita Cirvele suchen. Ohne Erfolg – von der zuletzt in Reutte wohnhaften Lettin fehlt noch immer jede Spur.



Von Thomas Hörmann

Reutte – Noch ist es nur eine skurrile Fußnote: Aber wenn es nach einem bekannten Seher geht, könnte sein Hinweis zur Lösung des Rätsels um das spurlose Verschwinden von Tabita Cirvele führen. Der Deutsche benannte jene Stelle, an der seiner Meinung nach die Leiche der 50-jährigen Frau aus Reutte zu finden sei. Und tatsächlich – ein Zeuge stieß dort auf Teile eines Skeletts. Die Knochen wurden mittlerweile sichergestellt: „Die Skelettteile werden überprüft“, bestätigt Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes. Allerdings dämpft er auch gleichzeitig die Erwartungen: „Derzeit können wir nicht einmal sagen, ob die Knochen menschlichen oder tierischen Ursprungs sind.“

Zur Erinnerung: Tabita Cirvele verschwand in der Nacht zum 24. September 2016 aus dem Haus in Reutte, das sie mit ihrem deutschen Ehemann bewohnt hat. Seither fehlt von der zierlichen, nur 1,52 Meter großen Frau jede Spur.

Die zierliche, 1,52 Meter große Frau verschwand in der Nacht zum 24. September 2016.
Die zierliche, 1,52 Meter große Frau verschwand in der Nacht zum 24. September 2016.
- Polizei

Die Lettin hatte den Großteil ihres Lebens in Münster in Deutschland verbracht. Sie lebte dort nicht alleine, ihr Vater und ihre Schwester kamen ebenfalls nach Norddeutschland. Vor etwa fünf Jahren lernte die Schneiderin während eines Kuraufenthaltes ihren späteren Ehemann kennen. Nach kurzer Zeit heiratete sie den deutlich älteren Mann, das Paar zog nach Reutte. Zu Außerfernern wurden sie nicht, die beiden lebten sehr zurückgezogen. Im Sommer 2016 lernte Cirvele bei einem mehrwöchigen Besuch in Münster einen deutschen Architekten kennen. Aus der Bekanntschaft wurde bald eine heimliche Liebe.

Im September 2016 kehrte die frühere Schneiderin von Münster nach Reutte zurück. Der Kontakt zum Architekten blieb aufrecht – „wir haben täglich telefoniert oder E-Mails bzw. SMS ausgetauscht“, schilderte der Münsteraner im TT-Gespräch. Nach seinen Aussagen war Tabita C. entschlossen, ihren Mann und das Außerfern zu verlassen. Am 23. September traf Cirvele offenbar die letzten Vorbereitungen, um ihre Zelte in Reutte abzubrechen. Gegen 23 Uhr meldete sie per SMS „Alles okay“ nach Münster, in der folgenden Nacht erhielt der Architekt nach eigenen Angaben ein weiteres Liebes-SMS, dann wollte sich die Lettin auf den Weg nach Münster machen. Dort ist sie aber nie angekommen.

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Knapp zwei Wochen später erstattete der Ehemann die Vermisstenanzeige. Das Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen. Die Suche inklusive Taucheinsatz im Plansee blieb ohne Erfolg.

Daran änderte sich auch nichts, als der Fall vor einem Monat in der Sendung „Aktenzeichen xy“ präsentiert wurde. Es meldeten sich zwar Zeugen, die Cirvele da und dort gesehen haben wollen. Bei der Überprüfung durch die Kriminalbeamten lösten sich die Hinweise allerdings in Luft auf. Mittlerweile glaubt kaum noch wer, dass die vermisste Lettin noch am Leben ist.

Der Architekt gab die Suche nach seiner Geliebten dennoch nie auf. Er machte sich für den „Aktenzeichen xy“-Beitrag stark, er steht auch in Kontakt mit dem bekannten deutschen Seher Michael Schneider. Ein ehemaliger Journalist, der auf seiner Homepage mehrere Verbrechen auflistet, zu deren Aufklärung er beigetragen haben will. Auch der Name Larissa Biber wird erwähnt – Schneider gibt an, die Außerfernerin bereits zwei Tage nach ihrem Verschwinden im September 2013 im Inn bei Innsbruck vermutet zu haben. Tatsächlich konnten Taucher das Mordopfer etwa zwei Wochen später im Inn zwischen Innsbruck und Hall aufspüren.

Der Architekt meldet jetzt in einem Mail an die TT, von Schneider bereits „vor Monaten einen Hotspot benannt bekommen zu haben, wo Tabita abgelegt worden sein soll“. Sein Bekannter aus Reutte habe den von Schneider benannten Ort bei Lähn (Gemeinde Bichlbach) aufgesucht und dabei die Knochen gefunden.