Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.06.2018


Justiz und Kriminalität

Tierquälerei in Axams: Kutscher beim Prügeln von Pferden gefilmt

Die mutmaßlichen Tierquälereien in Axams sorgen für internationale Empörung, die sich auch gegen die Gemeinde richtet. Der Bürgermeister ruft zur Abrüstung der Worte auf.

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© Juliane Kuhl/Vetmeduni Vienna



Von Thomas Hörmann

Axams – Die Aufregung um einen Fiakerbetrieb in Axams ebbt nicht ab: Nach dem Tod eines Kutschpferdes vor zwei Wochen ist jetzt ein weiteres Video aufgetaucht, das für Empörung sorgt. Das nur 48 Sekunden lange Filmchen zeigt einen Kutscher, der nach dem Ende der Fahrt in einem Unterstand mit der Peitsche auf ein noch immer eingespanntes Pferd einprügelt: „Wir haben das Video auch erhalten“, sagt Karin Lutz von der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land: „Darum kümmert sich jetzt unser Sicherheitsreferat.“ Um herauszufinden, wer das Video wann gedreht hat. Die Frage nach dem Wo scheint bereits beantwortet. „Den Gegebenheiten nach zu urteilen, dürfte es sich um jenen Betrieb handeln, gegen den bereits eine Untersuchung eingeleitet wurde“, erklärt Lutz. Und das Video soll ein früherer Mitarbeiter gedreht haben.

Auch der Innsbrucker Staatsanwaltschaft ist das Video bereits bekannt. Ebenso wie jener vor zwei Wochen entstandene Film, der die angeblich vor Erschöpfung taumelnden Kutschpferde dokumentiert. „Wir haben bereits ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Tierquälerei gegen den Pferdehalter eingeleitet und die Polizeiinspektion Axams mit den Nachforschungen beauftragt“, bestätigt Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Innsbruck. Er schließt nicht aus, dass das Ermittlungsverfahren ausgeweitet wird. Etwa gegen die Kutscher, die in den beiden Videos zu sehen sind. Wenn sich der Verdacht gegen weitere Personen ergibt, sei das möglich, so der Staatsanwalt.

Der beschuldigte Betreiber des Fiakerbetriebes war am Freitag nicht erreichbar. Noch am Montag hatte der Unternehmer den Tod des Pferdes am Ende einer Kutschfahrt vor zwei Wochen als Unfall dargestellt. Die Stute sei auf den Wallach gestürzt und habe ihn erdrückt. Der Axamer betonte, dass seine Tiere gut versorgt und gepflegt werden. Das bestätigt indirekt auch Karin Lutz: „Am Zustand der etwa 15 Pferde gab es keine Beanstandungen.“ Dennoch zweifelt der Tierschutzbeauftragte Martin Janovsky die Unfallversion. Er war es auch, der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet hat.

Der Fall sorgt mittlerweile für internationale Empörung: „Wir erhalten sogar Anrufe und Mails aus Holland und Deutschland, aus ganz Österreich sowieso“, sagt der Axamer Bürgermeister Christian Abenthung. Der Inhalt sei keineswegs freundlich: „Es sind wüste Beschimpfungen und auch Drohungen dabei.“ Und die richten sich nicht nur gegen den Chef-Fiaker: „Der Gemeinde, den Bürgern wird vorgeworfen, von den angeblichen Missständen gewusst und sie gedeckt zu haben“, erklärt Abenthung.

Um die Gemüter zu beruhigen, hat der Gemeindechef einen „offenen Brief“ veröffentlicht. „Es ist Zeit für eine Abrüstung der Worte“, so sein Appell: „Der Vorfall gehört selbstverständlich und kompromisslos aufgeklärt. Ich bitte zu akzeptieren, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt und Vorverurteilungen nicht Teil eines demokratischen Rechtsstaates sein dürfen.“