Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.07.2018


Tirol

Rätsel um gequältes Kleinkind

© RehfeldSymbolfoto.



Wer hat im vergangenen August einen dreijährigen Buben misshandelt und gebissen? Diese Frage beschäftigte am Montag das Innsbrucker Landesgericht. Auf der Anklagebank musste der frühere Lebensgefährte der Mutter Platz nehmen. Doch der wollte von den Misshandlungen nichts wissen: „Ich hab' ein oder zweimal auf das Kind aufgepasst, es aber nie geschlagen, gebissen oder auch fester zugepackt", übersetzte die Dolmetscherin die Aussage des Nordafrikaners. Auch die 20-jährige Mutter konnte sich kaum vorstellen, dass ihr Ex-Freund für die Verletzungen verantwortlich sei: „Er war immer sehr nett mit meinem Sohn."

Aber wer sei es dann gewesen, wollte Richter Josef Geisler von der Frau wissen: „Wer war mit dem Kind allein?" Nur sie selbst, ihr Vater und eben der Angeklagte, so die 20-Jährige: „Ich hab' mein Kind hundertprozentig nicht verletzt, mein Vater war's sicher auch nicht." Eine Zuschauerin sah das anders: „Du hast deinen Sohn ständig geschlagen und dein Vater ist ein Alkoholiker", sorgte die Frau mit ihren Zwischenrufen für einen Eklat. Richter Geisler wies die Innsbruckerin aus dem Saal. Dann wollte er von der 20-Jährigen schon wissen, wie das mit dem Alkoholkonsum des Vaters ausschaut. „Na ja, jetzt ist er trocken, im August war er's noch nicht, er hat aber nie getrunken, wenn er auf meinen Sohn aufpasste." Die Verhandlung wurde vertagt. „Ich will ein genaueres Gutachten, wann die Verletzungen zugefügt wurden. Die Sache gehört geklärt, das bin ich dem Kind schuldig", so der Richter. (tom)