Letztes Update am Sa, 14.07.2018 07:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Cobra-Einsatz in Innsbruck: ,,Attentäter“ war auf Taubenjagd

Eine Frau hatte am Freitag gemeldet, dass ein Mann auf einem Dach in der Innenstadt mit einer Langwaffe hantierte. Es folgte ein Großeinsatz der Polizei.

© RehfeldSymbolfoto.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Zeitpunkt war etwas ungünstig: Ausgerechnet während des EU-Gipfels mit 28 Ministern und weit über tausend Polizisten in der Innsbrucker Innenstadt packte einen Einheimischen das Jagdfieber. Und so kam es, dass eine Zeugin am Freitagmorgen einen Mann auf einem Hausdach am Burggraben meldete, der „mit einer Langwaffe hantierte“, heißt es dazu lapidar im Polizeibericht. Kein Wunder, dass die Kombination aus politischen Hochkarätern, Gewehr-Schütze und Dach bei der Polizeiführung sämtliche Alarmglocken schrillen ließ. Ein Großeinsatz gegen den vermeintlichen Scharfschützen war die Folge. „Entsprechend der Meldung ‚Mann mit Gewehr auf Dach‘ haben wir den Fall absolut ernst genommen“, sagt Polizei-Pressesprecher Stefan Eder.

Hausmeister auf Taubenjagd

Zunächst riegelten die Beamten die Umgebung ab. Doch vom möglichen Attentäter fehlte jede Spur, am Dach war er jedenfalls nicht mehr. Wenig später gelang es schwer bewaffneten Spezialisten der Antiterror-Einheit Cobra, einen Verdächtigen in einem nahen Geschäft anzuhalten und festzunehmen. Der Mann hatte ein Luftdruckgewehr bei sich. Wie eine erste Überprüfung ergab, handelte es sich um einen 55-jährigen Einheimischen. Und der war trotz der frühen Stunde nicht mehr ganz nüchtern. „Der Alkoholtest war positiv“, erklärt Eder.

Aber schon bald entspannte sich die Situation etwas: Der Verdächtige konnte glaubhaft machen, dass er es keineswegs auf einen Minister abgesehen hatte. Sondern auf Tauben. Tatsächlich war der Kleinwildjäger mit seinem Luftdruckgewehr erfolgreich – die Beamten fanden vier tote Vögel. Er sei Hausmeister und habe im Auftrag seines Arbeitgebers Jagd auf Tauben gemacht, rechtfertigte sich der Innsbrucker.

Auftrag hin oder her – der 55-Jährige wird wegen drei verschiedener Delikte angezeigt: Verdacht der Sachbeschädigung (Tiere gelten als Sache), Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Verstoß nach dem Waffengesetz.

Nach Abschluss der Einvernahme wurde der Beschuldigte wieder auf freien Fuß gesetzt.