Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.08.2018


Tirol

Minibordell bei Razzia in Innsbruck ausgehoben

Eine kleine Bar diente einer Prostituierten als „Laufsteg“, ein Substandard-Zimmer im Dachgeschoß als Bordell.

© APSymbolfoto.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Eine Doppelmatratze in einem muffigen Dachgeschoßzimmer, Reizwäsche und etwas Gleitcreme: Mehr hatte das Minibordell nicht zu bieten, das kürzlich ins Visier des Innsbrucker Strafamtes (Landespolizeidirektion) geriet. Aber egal, ob Luxusausstattung oder Substandard – „wir mussten den Betrieb zusperren“, bestätigt Polizeijurist Florian Greil, Leiter des Strafamtes.

Wieder einmal war es ein anonymer Hinweis, der die Beamten auf die Umtriebe in einem polizeibekannten Wohn- und Geschäftsgebäude in der Kranebitter Allee aufmerksam machte. „Wir erfuhren von illegaler Prostitutionsausübung und ebenso illegalem Glücksspiel“, erinnert sich Greil. Ende Juli nahmen Mitarbeiter des Strafamtes und der Finanzpolizei das Haus bei einer Razzia unter die Lupe. In einer kleinen Bar stießen die Beamten auf eine polizeibekannte Prostituierte (21) aus Bulgarien, die dort Gästen ihre Dienste anbot. Wer auf den Handel einging, lernte das eingangs erwähnte Minibordell im Dachgeschoß desselben Gebäudes kennen.

Weil die Bulgarin noch (Bußgeld-)Rechnungen beim Strafamt offen hatte, musste sie ins Polizeigefängnis übersiedeln. Außerdem besteht gegen die Frau ein Aufenthaltsverbot, das schon mehrfach zu ihrer Abschiebung führte. „Sie ist aber immer wieder nach Tirol zurückgekehrt“, sagt Greil. Der Wirt, in dessen Bar die Prostitution angebahnt wurde, kam mit einem blauen Auge davon: „Ihm wurde vorerst nur die Betriebsschließung angedroht.“ Auch ein Landsmann der Bulgarin ist ins Visier der Polizei geraten. Der mutmaßliche Zuhälter der Frau ist an einer Wohnadresse gemeldet, die erst im Mai als Bordellwohnung geschlossen wurde.

Bei der weiteren Durchsuchung des Gebäudes in der Kranebitter Allee stießen die Beamten in einem Lager und einem seit 15 Jahren bestehenden Lokal auf illegale Spielautomaten. Die Geräte wurden beschlagnahmt, das Restaurant und das Lager mit dem Amtssiegel versehen und zugesperrt.

Übrigens: Die Prostituierte, die vor zwei Monaten im Beisein ihres sechsjährigen Sohnes Freier empfing, ist noch immer im Geschäft. Bei der neuerlichen Kontrolle war das Kind aber abwesend.