Letztes Update am Fr, 17.08.2018 06:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck-Land

Keine Atempause für die Oberländer Feuerwehren

In Telfs ging der achte Stadel seit 19. Juli in Flammen auf. Fest steht, dass zumindest sieben Brände gelegt wurden. Von wem, ist weiter unklar.

Der achte Stadel in Folge stand letzte Nacht in Flammen.

© Daniel LieblDer achte Stadel in Folge stand letzte Nacht in Flammen.



Im Stadel war Heu gelagert gewesen.
Im Stadel war Heu gelagert gewesen.
- Daniel Liebl

Von Thomas Hörmann

Telfs – Donnerstag gegen 0.20 Uhr heulten im Oberland erneut die Sirenen. Diesmal in Telfs – ein Heustadel war im Ortsteil Lehen in Brand geraten: „Ich war der Erste vor Ort“, schildert Matthias Hagele, Einsatzleiter der Telfer Feuerwehr: „Bei meinem Eintreffen stand das Gebäude bereits in Vollbrand.“ Fast drei Stunden benötigten die 36 Feuerwehrmänner aus Telfs und Pfaffenhofen, um die Flammen zu ersticken. „Die Brandursache ist noch unklar, die Untersuchung läuft“, sagt Katja Tersch. Aber auch ohne das Ergebnis bestehen kaum Zweifel, dass der achte Stadel-Brand seit 19. Juli zwischen Zirl und Telfs das Werk eines Feuerteufels war. Wie die vorangegangenen sieben Feuersbrünste: „Technische Ursachen konnten in all den Fällen ausgeschlossen werden“, bestätigt Tersch: „Und das bedeutet, dass die Brände von Menschen gelegt wurden.“ Ob aus Fahrlässigkeit oder mit Absicht, lasse sich aus den Untersuchungsergebnissen nicht ableiten.

Die Umstände deuten hingegen sehr wohl auf einen Täter hin, der die Brände gezielt gelegt hat. Dafür sprechen die Tatzeiten (mit einer Ausnahme immer kurz vor oder nach Mitternacht) und auch die Objekte (abgelegene Stadel oder Unterstände). Auffällig ist auch, dass die Brände meist im Doppelpack ausbrachen: am 19. und 20. Juli in Pfaffenhofen bzw. Pettnau, am 26. und 27. Juli in Zirl bzw. Unterperfuss, am 12. und 13. August in Hatting bzw. Inzing. Abgesehen vom jüngsten Feuer in Telfs war nur der Stadelbrand am 1. August in Inzing ein „Einzelereignis“. Bei den Wochentagen scheint der Brandstifter flexibel zu sein: Nur Dienstag und Samstag blieb das Feuerzeug kalt.

Dass wie bei der Brandserie in Erpfendorf ein Feuerwehrmann zündelt, ist zu bezweifeln: „Wenn Mitglieder der Feuerwehren das tun, dann um zu mehr Löscheinsätzen zu kommen“, sagt ein früherer Kommandant: „Bei der Brandserie im Oberland waren aber verschiedene Feuerwehren im Einsatz.“

Fest steht, dass die Serie für Polizei, Feuerwehren und Bevölkerung immer mehr zur Belastung wird. „Viele Feuerwehrmänner liegen nur noch im Halbschlaf im Bett, weil sie jederzeit mit einer Alarmierung rechnen“, sagt Einsatzleiter Hagele, der in der Nacht zum Donnerstag kein Auge zumachte. „Ich bin nach der letzten Kontrolle des Brandortes um fünf Uhr direkt in die Arbeit gefahren. So war ich wenigstens schon hellwach.“ Die Situation sei für alle Beteiligten sehr schwierig.

Auch für die Polizei wird der Druck mit jedem Brand größer: „Wir tun, was wir können, und haben alle verfügbaren Kräfte im Einsatz“, sagt Katja Tersch. Nicht nur das Landeskriminalamt ermittelt, auch die Beamten im Bezirk Innsbruck-Land seien eingebunden. Trotz verstärkter Patrouillen etc. liege ein konkreter Verdacht derzeit aber nicht vor. „Die Mitarbeit der Bevölkerung ist für uns sehr wichtig. Auch unbedeutend scheinende Hinweise können entscheidend sein“, appelliert die stv. Leiterin des LKA (Tel. 059133

70-3333) an etwaige Zeugen.

Der Schuppen brannte völlig aus.
Der Schuppen brannte völlig aus.
- Daniel Liebl