Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.09.2018


EXKLUSIV

Polizei holte Prostituierte aus Hotel in Innsbruck

Die Innsbrucker Hotels werden zunehmend als Ersatz für den aufgelösten Straßenstrich missbraucht.

Symbolfoto.

© Thomas BöhmSymbolfoto.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der über Jahrzehnte florierende Innsbrucker Straßenstrich ist seit einem Jahr weitgehend aufgelöst. Das illegale Geschäft mit der Liebe hat sich in Wohnungen und zuletzt auch zunehmend in Beherbergungsbetriebe verlagert. Das bestätigte sich einmal mehr bei einer Aktion scharf des Strafamtes und der Kripo in der vergangenen Woche.

„Wir haben vier Geheimprostituierte auf frischer Tat ertappt und angezeigt“, sagt Florian Greil, Leiter des Strafamtes: „Drei der Damen empfingen ihre Freier im Hotelzimmer.“ Auf die Frauen aufmerksam wurden die Beamten auf einschlägigen Internetseiten: „Dort boten die Prostituierten ihre Dienste an“, schildert Polizeijurist Greil. In der Folge gab sich ein Polizist als Freier aus, rief bei den Frauen an und vereinbarte Termine. Von einer türkischstämmigen Prostituierten wurden die Beamten in ein Hotelzimmer im Innsbrucker Stadtteil Pradl gelotst. Als die Frau ihren Preis nannte, gab sich der „Lockvogel“ als Polizist zu erkennen: Anzeige wegen illegaler Prostitutionsausübung, 670 Euro Strafe. Bei den Ermittlungen im Hotel stießen die Kripo- und Strafamts-Mitarbeiter auf eine weitere Prostituierte türkischer Herkunft. Sie teilte das Schicksal ihrer Kollegin und erhielt einen Strafbescheid über 670 Euro. Da die Frauen ihre Hotelzimmer aufgaben, „mussten wir keine Schließung androhen“, so Greil weiter.

In einem Hotel in Wilten war es eine Rumänin, die dort ihre Dienste anbot. Erst am Vortag hatte die Prostituierte das Zimmer angemietet. „Die Hotelbetriebe bieten sich für diese Tätigkeit an, weil kaum kontrolliert wird, wer ein- und ausgeht“, erklärt der Strafamtsleiter: „So können die Freier problemlos den Damen einen Besuch abstatten.“ Dabei riskieren die Betriebe, dass die Behörde die Zimmer der Geheimprostituierten als illegale Kleinbordelle versiegelt und vorübergehend zusperrt.

Bei der Aktion scharf überführten die Beamten auch eine weitere Türkin, die in einer Wohnung in Wilten der Prostitution nachging. Die Frau wurde ebenfalls angezeigt. Aber auch gegen die Besitzerin der Wohnung leitete das Strafamt ein Verwaltungsstrafverfahren ein.


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