Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.09.2018


Exklusiv

Streit um Auto-Reparatur in Bosnien

Seit zwei Jahren steht das Auto eines Deutschen in einer Werkstatt in Tuzla. Die Standgebühr beträgt inzwischen über 8000 Euro.

© istockSymbolbild.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Er ist verzwickt, der Streit, den ein 63-jähriger Deutscher und ein bosnischer Staatsbürger (47) inzwischen vor dem Bezirksgericht Innsbruck austragen. Der Deutsche wirft dem Bosnier vor, für die Reparatur seines Autos in Tuzla, einer Stadt in dessen Heimatland, zwar Geld kassiert, dann aber den Wagen nicht ausgeliefert zu haben. Der 47-Jährige streitet das ab und sagt, dass der Deutsche die geforderte Summe nicht überwiesen und deshalb sein Auto nicht zurückbekommen habe.

Doch von vorne: Im Jahr 2016 waren sowohl der in Innsbruck lebende Bosnier als auch der Deutsche, der damals auch noch in Tirol wohnte, gemeinsam auf einer Baustelle in Baden-Württemberg. „Der Motor meines Autos war kaputt. Ich habe ihn zu einem Mechaniker vor Ort gebracht, bei dem eine Reparatur aber 6500 Euro gekostet hätte“, erzählt der Kläger bei der Verhandlung. Der 47-Jährige habe das mitbekommen und ihm daraufhin angeboten, eine billigere Reparatur organisieren zu können.

Dem konnte der 63-Jährige nicht widerstehen, ließ den Wagen vom Bosnier abholen. „Ich wusste aber nicht, dass er nach Bosnien gebracht wurde, sondern dachte vielmehr, dass er in Matrei in Tirol in eine Werkstatt kommt“, sagte er vor dem Richter aus. Und dann beginnen die Darstellungen auseinanderzudriften. Der Kläger gibt an, alles bezahlt zu haben, sogar, als der Preis von den anfangs vereinbarten 1900 Euro auf über 3000 Euro angestiegen war. Der Beklagte erklärte die Preissteigerung mit gestiegenen Ausgaben – außerdem habe er auch für seine Arbeit, die Vermittlung, etwas berechnet. „Das Auto steht noch in Tuzla. Aber da der Mann nicht das ganze Geld bezahlt hat, haben meine Bekannten das Auto einfach einbehalten“, sagt er.

Weil der Fall schon über zwei Jahre zurückliegt, das Auto aber immer noch in der Werkstatt darauf wartet, abgeholt zu werden, ist inzwischen eine Standgebühr von über 8000 Euro zu berappen.

Er ist verzwickt, der Streit. Urteil gibt es noch keines. Der Richter will einen weiteren Zeugen befragen – einen Bosnier, der das Auto in Innsbruck abgeholt und nach Tuzla gefahren hat. Die Verhandlung soll Anfang Oktober fortgesetzt werden.