Letztes Update am Fr, 12.10.2018 06:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess

Haftstrafen nach Raubüberfall auf Trafik in Wattens

Aus Geldmangel plante ein Pärchen einen Überfall. Die Nerven der Trafikantin waren stärker, Haftstrafen ergingen.

© ZOOM.TIROLDiese Trafik in Wattens wurde Mitte Juni überfallen.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – „Die hat genau gwusst, auf was sie sich mit mir einlässt. Bin ja schließlich schon länger auf Drogen!“, beschrieb gestern am Landesgericht ein 23-Jähriger die Lebenssituation mit seiner einstigen Verlobten. In einem Prozess um versuchten schweren Raub trafen sich beide noch einmal auf der Anklagebank. Bis zu fünfzehn Jahre Haft drohten, nachdem das Pärchen im Juni wegen akuten Geldmangels zum Äußersten gegangen war und den Überfall auf eine Trafik in Wattens geplant hatte. „Wir haben gar nichts mehr gehabt, kein Essen, gar nichts mehr. Da wär’ ich schon um einen Zehner froh gewesen“, beteuerte der 23-Jährige gestern. Die 20-Jährige konterte jedoch darauf, dass eben alles verfügbare Geld in den Drogenkonsum des Freundes geflossen sei. Schon kurz nach der Erörterung des Tatplans habe der Unterländer daraufhin zwei Sturmhauben für den Überfall angefertigt und Ersatzkleidung bereitgelegt. Gegen 17 Uhr betrat die 20-Jährige dann zum Schein die Trafik, um die Lage zu erkunden. Da „die Luft rein war“, stürmte daraufhin der 23-Jährige maskiert und mit vorgehaltener Waffe in die Trafik und forderte Geld.

Zwei Schüsse in den Boden

Mit dieser Trafikantin hatte er wohl nicht gerechnet. Die tat nämlich erst einmal gar nichts und lief nach einer Schrecksekunde schreiend aus der Trafik. Dies vertrieb auch den Räuber aus den Räumlichkeiten. Um die Frau zu stoppen, setzte er mit seiner Schreckschusspistole noch zwei Schüsse in den Boden. „Die Situation war irgendwie irreal. Mit so etwas rechnet man doch nicht. Das Einzige, was mich nervös gemacht hat, war, dass der Räuber so nervös war“, erklärte die tapfere Frau gestern als Zeugin. Nicht einmal Schmerzensgeld forderte die Trafikantin, nachdem sie dem Senat ehrlich erklärt hatte, dass sie „aus dem Vorfall keinerlei psychische Beeinträchtigungen davongetragen“ habe.

Die Waffe zum Überfall hatte der 23-Jährige trotz Waffenverbotes übrigens von der 20-Jährigen zu Weihnachten geschenkt bekommen. Schöne Bescherung: Ohne auch nur ein Rubbellos Beute kassierte der Unterländer drei Jahre Haft. Ein einst sicherer Drogentherapieplatz war ihm schon zuvor verlorengegangen. Die 20-Jährige schluckte über 30 Monate Haft, zehn davon unbedingt. Der Senat: „Stellen Sie sich vor, wenn einer Ihnen eine Pistole vor den Kopf hält – einfach eine sehr schwerwiegende Tat!“