Letztes Update am Mi, 17.10.2018 15:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Francisco Tejon

Berüchtigter Drogenboss in Spanien nach Musikvideo-Auftritt verhaftet

Francisco Tejon hat sich selbst den Behörden gestellt, nachdem er tagelang observiert worden war. Er und sein Bruder hatten die Kontrolle über die Drogenroute von Marokko aufs spanische Festland.

Francisco Tejon hatte mit einem Auftritt in einem Anfang des Monats veröffentlichten Musikvideo des Reggaeton-Sängers Clase A für Schlagzeilen gesorgt.

© Screenshot/YoutubeFrancisco Tejon hatte mit einem Auftritt in einem Anfang des Monats veröffentlichten Musikvideo des Reggaeton-Sängers Clase A für Schlagzeilen gesorgt.



Madrid – Nach einem Aufsehen erregenden Auftritt in einem Musikvideo ist einer der meistgesuchten Drogenbosse Spaniens festgenommen worden. Francisco Tejon habe sich am Mittwoch im Beisein seiner Anwälte in seinem Haus in der Stadt La Linea de la Concepcion im Süden Spaniens gestellt, wie die Polizei mitteilte.

Die Behörden waren dem 39-Jährigen in den vergangenen Tagen bereits auf die Spur gekommen und hatten ihn observiert. Tejon hatte zuvor mit einem Auftritt in einem Anfang des Monats veröffentlichten Musikvideo des Reggaeton-Sängers Clase A für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Video ist unter anderem zu sehen, wie der Sänger und Tejon aus einem Luxusauto, einem Bentley Continental steigen und anschließend in einem Haus inmitten leicht bekleideter Frauen und vieler Champagnerflaschen Party machen.

Drogenroute Marokko-Spanien

Der Festgenommene galt seit einigen Monaten als alleiniger Chef des berüchtigten Clans „Los Castanas“, nachdem sein Bruder Antonio (34) im Juni gefasst worden war. Nach Schätzung der Polizei kontrolliert die Bande rund 70 Prozent des Haschischhandels in der andalusischen Provinz Cadiz im Süden Spaniens.

Die relativ arme Region um die Stadt La Linea de la Concepcion unweit von Gibraltar - dem Hauptaktionsfeld der „Los Castanas“ - ist seit Jahrzehnten eine Drogenhochburg. An der Straße von Gibraltar trennen nur 14 Kilometer Spanien von Marokko, einem der größten Haschischproduzenten der Welt. An den Badestränden von Cadiz entladen Schmuggler das Rauschmittel tonnenweise. Die Droge wird von dort aus nach ganz Europa verteilt.

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Riesiges Vermögen angehäuft

„Los Castanas“ wird die Bande genannt, weil die Eltern und Großeltern der Tejons mit dem Verkauf von Esskastanien ihren Lebensunterhalt bestritten haben, obwohl die Familie schon damals im Drogenhandel mitgemacht haben soll. Francisco und Antonio Tejon sollen das Familiengeschäft aber in eine neue Dimension geführt und ein Vermögen von rund 30 Millionen Euro angehäuft haben.

In Anlehnung an den legendären kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar werden die Brüder Francisco und Antonio in La Linea nach Medienberichten auch „die Escobars“ genannt. Denn auch sie haben angeblich den armen Menschen ihrer Region geholfen. (APA/dpa)