Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.10.2018


Justiz und Kriminalität

Straftäter mit psychischer Erkrankung begleiten

Etwa jeder zehnte Insasse — an die 850 Personen — befindet sich im Maßnahmenvollzug. An die 100 Insassen werden jährlich wieder entlassen, eine professionelle Nachbetreuung dient der Sicherheit.

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© Thomas BöhmSymbolfoto.



Innsbruck – Erst durch Enthüllungen im Umgang mit psychisch beeinträchtigten Straftätern in Justizanstalten rückten Häftlinge mit psychischer Erkrankung in das Bewusstsein der Bevölkerung. Dabei befinden sich im so genannten „Maßnahmenvollzug“ mehr Täter, als man vielleicht denken würde.

Etwa jeder zehnte Insasse – an die 850 Personen – befindet sich im Maßnahmenvollzug, wird also wegen einer im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung oder Störung begangenen Straftat in den Justizanstalten, teils in psychiatrischen Krankenhäusern oder Einrichtungen angehalten, erläuterte Eva Pühringer von Pro mente plus (Verein für Forensische Resozialisierung) der TT.

An die 100 Insassen werden jährlich wieder entlassen, dies aber natürlich nur, wenn eine erforderliche Nachbetreuung ambulant oder stationär gewährleistet ist. Maßnahmeninsassen sind nämlich weiter krank, sie werden nur wohlüberlegt entlassen und nur dann, wenn die Krankheit und damit die „Gefährlichkeit“ „beherrscht“ wird. Oft kann eine solche erforderliche Nachsorge aber nur in einem weiterhin betreuten Ambiente – betreute Wohngemeinschaften, Häuser etc. – sichergestellt werden.

Pro mente Plus betreibt im Auftrag des Gesetzgebers unter dem Motto „Betreuen statt Wegsperren“ seit vielen Jahren sehr erfolgreich Wohnhäuser und Ambulatorien in Wien, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol.

1500 Menschen wurden bereits betreut – und keine einzige Person ist in diesen Resozialisierungsmaßnahmen neuerlich strafrechtlich auffällig geworden.

Eine professionelle Nachbetreuung dient der Sicherheit, pro mente arbeitet nach überprüfbaren Qualitätsstandards. Seit fünf Jahren gibt es bei pro mente Plus auch eine LaienhelferInnengruppe. Der Prozess der Entstehung und des Arbeitens dieser Gruppe wurde von pro mente Austria wissenschaftlich begleitet. Ausnahmslos alle Klienten stehen der Laienhilfe positiv gegenüber und nehmen sie dankbar an. Die Laienhelfer schätzen wiederum das Beziehungsangebot zu den Klienten. Ihre wertvolle Arbeit bietet eine niederschwellige Möglichkeit, Menschen am gesellschaftlichen Leben wieder teilhaben zu lassen.

In Tirol ist pro mente Plus über die FORAM (Forensische Ambulanz) vertreten. 2017 wurden hier 59 Personen behandelt, 1300 Kontakte erledigt und Vernetzungsgespräche mit Justiz und Partnern geführt. Interessierte Laien sollten sich unter 0664/8456288 melden. Pro mente Plus wird auch ab 22. November auf der Innsbrucker Freiwilligenmesse vertreten sein. (fell)




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