Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.10.2018


Exklusiv

Zehn Anzeigen in einer Woche für Tiroler Autohändler

Ein Autohändler ist offenbar ins Visier der Polizei geraten. Jetzt soll er über 6000 Euro an Strafgeldern überweisen.

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Von Thomas Hörmann

Wattens – Wie gelangen die Gebrauchtwagen eines Unterländer Autohändlers von seinem Firmengelände über die Straße auf den benachbarten Parkplatz eines Lebensmittelmarktes? Für die Beamten der Polizeiinspektion Wattens ist der Fall klar – die Autos werden vorschriftswidrig ohne Kennzeichen die wenigen Meter von A nach B überstellt. Und das teilweise bis zu 14-mal täglich, wie aus einer von insgesamt zehn Sammelanzeigen hervorgeht, die fast alle Anfang August im Postfach der Autofirma eintrudelten. Das Problem: Der 31-Jährige bestreitet die Schwarzfahrten: „Wenn die Straße überquert wird, sind immer blaue Überstellkennzeichen angebracht. Außerdem fahren meist meine Mitarbeiter und nicht ich.“ Sein Innsbrucker Anwalt Patrick Gaulin wird die Strafverfügungen mit Einsprüchen bekämpfen. Immerhin geht’s dabei um die Gesamtsumme von über 6300 Euro.

Autohändler und Anwalt vermuten einen Zusammenhang mit einer Verkehrskontrolle, die Anfang Februar in Innsbruck aus dem Ruder gelaufen ist. Damals wurde der 31-Jährige unsanft festgenommen und mehrere Stunden auf dem Wachzimmer festgehalten, weil er keinen Ausweis mit sich führte – die TT berichtete mehrfach. Eine Festnahme übrigens, die das Landesverwaltungsgericht kürzlich als rechtswidrig erkannt hat.

Kurz nach seiner Festnahme ist der Geschäftsmann offenbar ins Visier der Wattener Polizei geraten. Zumindest geht das aus den Anzeigen hervor, in denen angebliche Schwarzfahrten ab Mitte Februar aufgelistet sind. Ein Umstand, auf den der Anwalt bereits in einer Beschwerde aufmerksam gemacht hat. „Der Vorfall vom 6. Februar (die Festnahme; Anm.) fand in Innsbruck statt und hat keinerlei Zusammenhang zu den Anzeigen“, heißt es in der Stellungnahme der Polizei: Die Behauptung über eine laufende Verfolgung sei aus der Luft gegriffen. Und die Übertretungen seien zufällig und unabhängig voneinander im Rahmen des Streifendienstes festgestellt worden.

Der Autohändler betont, nicht einmal bei einer vermeintlich illegalen Überstellungsfahrt von Parkplatz zu Parkplatz kontrolliert worden zu sein. Tatsächlich sind auf den Beweisfotos, die die Polizei den Anzeigen beigefügt hat, nur Gebrauchtwagen zu sehen, die ohne Kennzeichen am Supermarkt-Parkplatz abgestellt sind. „Aber dafür hab ich die Erlaubnis“, sagt der Händler. Die Recherchen der Beamten führten allerdings zu einem anderen Ergebnis.




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