Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.10.2018


Tirol

Ehefrau mit Eisenstange attackiert: “Sein Ziel war, mich zu töten“

Ein Stahlrohr stand am Ende der Ehe eines syrischen Paars. Für Schläge gegen den Kopf der Frau ergingen viereinhalb Jahre Haft.

Landesgericht Innsbruck.

© TT/Thomas BöhmLandesgericht Innsbruck.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Vor gut vier Jahren war ein syrisches Paar mit Kindern nach Österreich geflüchtet. Schon in Syrien war die Ehe zerrüttet. Im Unterland wurde zwar noch ein letztes der fünf Kinder geboren, die Frau suchte jedoch bereits Schutz im Frauenhaus, bis ihr Ehemann ein Lokal eröffnete und auch gleich dort schlief.

Nach der Rückkehr der 40-Jährigen in die eheliche Wohnung verlangte der Gatte im Mai jedoch entgegen früherer Vereinbarungen mit dem Jugendamt volles Besuchsrecht. Überhaupt wollte der 52-Jährige plötzlich „komplett neue Regeln aufstellen“, eventuell sogar wieder in die Wohnung zurückkehren und „vor den Kindern Alkohol trinken“.

Erneut folgte ein massiver Ehestreit – erst in der Wohnung und weiter auf offener Straße. Die 40-Jährige war mit zwei Söhnen (3, 18) aus dem Haus gestürmt und darauf vom Angeklagten derart attackiert worden, dass er sich gestern am Landesgericht wegen versuchten Mordes verantworten musste. Mit einer Flasche Wodka in der Hand war der Wütende nämlich zum Auto gegangen und hatte daraus eine 90 Zentimeter lange Eisenstange geholt. Laut Zeugen versteckte er die Stange erst hinter dem Rücken und zielte dann mit wuchtigen Schlägen gegen den Kopf der um 30 Zentimeter kleineren Frau. Diese konnte die Hiebe jedoch mit den Armen abwehren. „Er versuchte mich am Kopf zu treffen. Sein Ziel war, mich zu töten!“, beschrieb die Frau als Zeugin. Sie beklagte jedoch, dass ihr keiner der Umstehenden einst geholfen habe.

Erst ihr heraneilender Sohn habe den Vater überwältigt. Noch am Boden liegend drohte der 52-Jährige damit, dass er Frau und Sohn umbringen und dem Sohn „die Augen nehmen werde“. Über Anwältin Anna-Maria Lechthaler ließ die Frau dem Schwurgericht aber trotzdem ausrichten, dass sie keinerlei Forderungen stellen wolle. Der Mann leugnete Hiebe gegen den Kopf und brachte vor, dass er an der Ehefrau eigentlich nur vorbeiwollte: „Ich liebe sie ja. Ich würde meine Kinder nie zu Waisen machen!“ Auch die Geschworenen sahen mit 4:4 der Stimmen knapp(est) keinen Mordversuch.

Für versuchte absichtlich schwere Körperverletzung und gefährliche Drohung ergingen nicht rechtskräftig viereinhalb Jahre Haft.




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