Letztes Update am Do, 25.10.2018 18:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Brandstifter verurteilt: ,,Hab’ ihm ja gesagt, dass sein Auto brennen wird“

Eine gefährliche Brandstiftung mit Riesenschaden endete am Donnerstag mit einer überschaubaren Sanktion.

Sechs Fahrzeuge brannten vollständig aus.

© ZOOM.TirolSechs Fahrzeuge brannten vollständig aus.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Kufstein – Kurz vor acht Uhr ertönten im Juni in Kufstein die Sirenen. Aus der Tiefgarage einer Hausanlage drang Rauch. Als die Feuerwehr eintraf, standen bereits sechs Autos in Vollbrand. 58 Mann der angerückten Feuerwehren verhinderten Schlimmeres. Als der Brand eingedämmt war, offenbarte sich an Gebäude und Fahrzeugen ein Schaden von einer Viertelmillion Euro. Es dauerte nicht lange, bis Brandstiftung festgestellt worden war. Bereits am Folgetag wiesen Aufzeichnungen der Videokamera direkt in Richtung eines 39-Jährigen.

Der musste sich nun gestern am Landesgericht wegen Brandstiftung verantworten. Bis zu zehn Jahre Haft drohten dem bislang Unbescholtenen dafür – da fielen zehn noch zusätzlich angeklagte Einbruchsdiebstähle nicht mehr weiter ins Gewicht.

Unfall führte Angeklagten zu Alkohol und Tabletten

Die Geschichte dieser Brandstiftung stellte sich im Prozess dann als Ausfluss einer vielschichtigen Lebenstragödie dar. So riss eine Sportverletzung den Angeklagten nachhaltig aus dem Erwerbsleben. Alkohol und Tabletten folgten. Dazu zerbrach auch die Beziehung mit der Mutter des gemeinsamen Kindes. Als diese wiederum eine Liebesbeziehung zu einem Kufsteiner aufgenommen hatte, der nach Meinung des Angeklagten einen schlechten Einfluss auf die Frau gehabt hatte, kam es erst zu Drohungen und schließlich zur Wahnsinnstat.

„Ich hab’ dem ja gesagt, dass sein Auto brennen wird, wenn er sie nochmals belästigt“, hatte der 39-Jährige später einem Freund anvertraut und ein Zeitungsbild der ausgebrannten Autos als Trophäe hergezeigt. Vor Richter Josef Geisler betonte der geständige Angeklagte, dass er ja eigentlich nur den Reifenstapel des Nebenbuhlers aus Zorn anzünden wollte. Dazu sei er „total zugedröhnt“ gewesen.

Autoeigentümer stecken zurück

Bitter für alle Beteiligten – vor allem für die nicht vollkaskoversicherten Eigentümer der ausgebrannten Autos. Diese konnten am Strafgericht gegenüber dem ohnehin mittellosen Arbeitslosen nur bescheidene Beträge anmelden. So bekam der Besitzer eines Kombis mehr als wackelige 3000 Euro zugesprochen – Zeitwert nach Eurotax-Liste: 8900 Euro.

Verteidiger Martin Corazza plädierte deshalb, dass nur ein mildes Urteil eine Schadenswiedergutmachung gegenüber den Opfern ermögliche.

Eine Sanktion mit Umsicht erging darauf. Von zwei Jahren Haft ergingen 16 Monate bedingt. Dazu kommt freilich später der Ersatz der Schäden.