Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Urteil

Nach Unfall mit geliehenem Porsche: Lenker nicht für PS-Boliden haftbar

Nach Unfall mit einem geliehenen Porsche 911 wollte eine Versicherung 97.001 Euro Schaden beim Lenker regressieren. Der OGH sah aber nur einen Fahrfehler.

Der legendäre Porsche 911.

© AFPDer legendäre Porsche 911.



Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Wien – Ein Porsche 911 ist eine Sportwagenlegende und in kundiger Hand eine Kanone auf Rädern. Wird der Heckmotorsportwagen jedoch von Laien gesteuert, kann der Ur-Porsche auch schnell zur Granate werden. So passierte es in einer Oktobernacht an einer Autobahnausfahrt. Ein Gastronom hatte damals seinen 911 dem braven Koch geliehen, um für den Folgetag in Innsbruck noch diverse Besorgungen zu tätigen. Da sagte der Koch nicht Nein und brauste davon. Am Rückweg passierte dann das Malheur. So fuhr der Koch mit dem zweiten Gang in die Kurve, gab zu viel Gas, machte mit dem ausbrechenden Heck des 450-PS-Sportwagens Bekanntschaft, wollte trotz aktivem Regelsystem noch instinktiv gegenlenken und prallte darauf direkt in die gegenüberliegende Leitschiene. Schaden am Porsche: schlanke 97.001,88 Euro. In der Nacht war dies für den geschockten Koch erst so gar nicht erkennbar – auch nicht, dass die Leitplanke aus ihrer Verankerung gerissen worden war. So informierte der Mann seinen Chef und fuhr mit dem demolierten Elfer noch nach Hause. Erst am Vormittag bat der Chef den Angestellten, dass dieser doch den Unfall bei der Polizei melden solle. Dies tat der Koch dann auch 14 Stunden nach dem Vorfall.

Grund für die Haftpflichtversicherung, beim Fahrer vollen Regress einfordern zu wollen. Schließlich habe sich der Koch nicht unverzüglich nach dem Unfall bei der Polizei gemeldet und damit den Unfallhergang und wohl vor allem eine allfällige Alkoholisierung verschleiert. Den Ruin vor Augen wandte sich der Koch an Verkehrsexperten RA Karl Hepperger. Der Anwalt wandte ein, dass sich sein Mandant ohne Personenschaden und nach Meldung beim Chef keinesfalls bei der Polizei habe melden müssen. Konnte er doch den Schaden an der Leitplanke im Dunkeln nicht erkennen und sei sein Fahrfehler in einem solchem Sportwagen allenfalls leichte Fahrlässigkeit. Bis zum Obersten Gerichtshof schloss sich die Justiz nun Heppergers Argumentation an und ließ die Versicherung abblitzen.

So sei es allenfalls in der Verantwortung des Wirts, seinen Mitarbeiter bei Verleih eines so starken Sportwagens mit eigenwilligem Fahrverhalten einzuweisen. Zudem könne aus einem Nichterscheinen bei der Polizei keinesfalls automatisch auf eine Alkoholisierung geschlossen werden. Zuletzt hätte eine sofortige Unfallmeldung keine zusätzlichen Erkenntnisse gebracht.




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