Letztes Update am So, 28.10.2018 15:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Elf Tote in Pittsburgh

Bekennender Antisemit (46) richtete Blutbad in Synagoge an

Schwer bewaffnet stürmte Robert B. eine Taufzeremonie in einer Synagoge in Pittsburgh und erschoss mindestens elf Menschen. Der Schütze hatte keine Vorstrafen, war aber in antisemitischen Onlineforen sehr aktiv.

© AFP



Pittsburgh – Mit Hassbotschaften gegen Juden soll sich Robert B. auf einem einschlägigen Internetnetzwerk als Antisemit zu erkennen gegeben haben. Doch für die Polizei war er bisher ein Unbekannter. Am Samstag feuerte der 46-Jährige mit mehreren Waffen in der Tree-of-Life-Synagoge in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania um sich und tötete elf Menschen.

Der mutmaßliche Todesschütze Robert B. (46).
Der mutmaßliche Todesschütze Robert B. (46).
- AFP

Ihm droht nun die Todesstrafe wegen mehrfachen Mordes und antisemitisch motivierter Verbrechen. Viel ist über den mutmaßlichen Schützen nicht bekannt, den die Behörden als Robert B. identifizierten. Er scheint keine Vorstrafen zu haben. Auch sonst war er den Behörden bisher nicht bekannt, wie ein Beamter der US-Bundespolizei FBI sagte.

B. hatte seit Jahren eine Waffenlizenz, wie CNN unter Berufung auf Behördenangaben berichtete. Seit 1996 kaufte er sich demnach mindestens sechs Waffen.

Mit einem Sturmgewehr und mindestens drei Pistolen stürmte er am Samstag in die Lebensbaum-Synagoge von Pittsburgh. Während einer Zeremonie zur Namensgebung für ein Baby am Sabbat eröffnete er das Feuer. Bei seinem Angriff habe er „seinen Wunsch, Juden zu töten“ geäußert, sagte Staatsanwalt Scott Brady am Sonntag. B. habe dabei auch von „Genozid“ gesprochen.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Der Schütze war mindestens 20 Minuten lang in der Synagoge, bevor er festgenommen werden konnte. Er erlitt selbst mehrere Schussverletzungen und wurde zunächst im Krankenhaus behandelt.

Verfasser vieler antisemitischer Botschaften in Netz

B. soll der Verfasser einer Serie von antisemitischen Botschaften sein, die im bei weißen Nationalisten und Mitgliedern der rassistischen Alt-Right-Bewegung beliebten Onlinenetzwerk Gab.com veröffentlicht wurden - eine davon nur wenige Stunden vor dem Angriff auf die Synagoge.

In diesem Eintrag wird die jüdische Flüchtlingshilfeorganisation Hias angegriffen: „Hias holt gerne Eindringlinge, die unsere Leute töten. Ich kann nicht sitzen bleiben und zusehen, wie meine Leute abgeschlachtet werden. Scheiß auf Eure Sichtweise, ich gehe rein.“

Wie die New York Times berichtete, schrieb B. in einem anderen Beitrag, er mache sich nichts aus Trump, weil dieser „ein Globalist ist, kein Nationalist“. Die USA könnten nicht wieder großartig gemacht werden, so lange es eine jüdische „Verseuchung“ gebe, schrieb er demnach mit Hinweis auf Trumps Slogan „Make America Great Again“.

B. veröffentlichte ganz oben auf seiner Profilseite bei Gab den Satz „Juden sind die Kinder Satans“, wie Screenshots zeigten, die das auf Beobachtung extremistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site verbreitete. Gab sperrte den Account nach dem Angriff unverzüglich. Das Portal habe „null Toleranz“ für Gewalt und Terrorismus und sei „traurig und angeekelt“ über die Nachrichten aus Pittsburgh, hieß es in einer Stellungnahme. (APA/AFP)