Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.11.2018


Exklusiv

Entschädigung für Verdienstentgang: Stadt auf halbe Million geklagt

Einst war er Beamter und professioneller Feuerwehrmann, jetzt kämpft Gerald Depaoli im Innsbrucker Gemeinderat für Gerechtigkeit. Und in eigener Sache vor Gericht.

© www.zeitungsfoto.at28 Dienstjahre bei der Innsbrucker Berufsfeuerwehr endeten vor dem Landesgericht.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Gerechtigkeit: Mit diesem (Wahl-)Versprechen gelang Quereinsteiger Gerald Depaoli vor einem halben Jahr der Einzug in den Innsbrucker Gemeinderat. Aber auch in eigener Sache fordert der Höttinger „Gerechtigkeit“. Und eine halbe Million Euro vom Stadtmagistrat. Als Entschädigung für den Verdienstentgang, den der frühere Feuerwehrmann durch seine vorzeitige Pensionierung zu erwarten hat. Der Fall ist bereits gerichtsanhängig, der Ausgang offen. Ferdinand Neu, Personalchef des Stadtmagistrats, signalisiert durchaus Gesprächsbereitschaft: „Ein Vergleich ist möglich.“ Kläger Depaoli hält sich hingegen zur Causa bedeckt – „es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, da will ich nichts sagen“. Dennoch ist durchgesickert, dass das abrupte Karriereende nach 28 Dienstjahren bei der Berufsfeuerwehr Auslöser für das pikante Verfahren ist.

Ein Karriereende mit einer Vorgeschichte, die vor acht Jahren ihren Ausgang nahm. Damals wählten die Kollegen den Oberbrandmeister in die Personalvertretung der Berufsfeuerwehr, wenig später wurde er sogar deren Obmann. Der Auftakt für interne Querelen, die bald auch nach außen drangen und für Schlagzeilen sorgten. Die veröffentlichten Vorwürfe reichten von Schwarzgeldkonten bei der Berufsfeuerwehr, Machtmissbrauch durch Führungskräfte bis hin zum Mobbing unliebsamer Mitarbeiter. Als Chef der Personalvertretung spielte Depaoli eine entscheidende Rolle: Er war einer jener Unzufriedenen, die die vermeintlichen Missstände intern zur Sprache brachten. Die Stadtführung reagierte damals mit der Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die das Betriebsklima in der Brandwache in der Hunoldstraße entgiften sollte. Vorerst ohne Erfolg.

Vor fünf Jahren zog der Stadtmagistrat als Arbeitgeber die Reißleine: Depaoli musste seinen Feuerwehrhelm für drei Monate an den Nagel hängen und stattdessen als Mitarbeiter des Zentralbauhofes mit der Kehrmaschine die Innsbrucker Straßen reinigen. Nach seiner Rückkehr zur Feuerwehr fühlte sich der Oberbrandmeister gemobbt, schlitterte in ein Burnout und befand sich fortan im Krankenstand. Nach etwa einem Jahr außer Dienst wurde der Innsbrucker Anfang 2014 pensioniert. Mit Anfang 50 viel zu früh, um den Ruhestand ohne massive finanzielle Einbußen genießen zu können.

Und diese lebenslangen Einbußen sind jetzt Gegenstand des Gerichtsverfahrens – der Gemeinderat fordert von seinem früheren Arbeitgeber eine halbe Million Euro, weil er sich – salopp formuliert – in die Pension gemobbt fühlt.

"Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, da will ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen", erklärte Gerald Depaoli.
- Fankhauser

Eine Sicht der Ereignisse, die man im Rathaus nicht teilt: „Wir bestreiten das Klagsbegehren“, sagt Personalchef Neu: „Es gab in der Sache schon mehrere Verhandlungen, derzeit läuft das Beweisverfahren.“

Der hohe Streitwert birgt für beide Seiten ein enormes finanzielles Risiko, da sich die Gerichtskosten nach dessen Höhe richten. Und die hat der „Verlierer“ zu tragen. Um dieses Risiko zu vermeiden, „haben wir bereits versucht, uns gütlich zu einigen“, sagt Neu, „das war nicht möglich. Wir sind aber weiterhin an einem Vergleich interessiert, allein schon, um Ruhe in die Sache zu bringen.“ Als Schuldeingeständnis sei dies keinesfalls zu werten.