Letztes Update am Mo, 05.11.2018 14:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Verurteilter Mafioso nahm in Norditalien fünf Geiseln

Ein 55-Jähriger verschanzte sich am Montag in einer einer Postfiliale in Pieve Modolena. Der Geiselnehmer war vergangene Woche im Rahmen eines Mammut-Prozesses gegen die mafiöse Organisation Ndrangheta zu mehr als 19 Jahren Haft verurteilt worden.

© pixabay(Symbolbild)



Pieve Modolena – Ein wegen Mafia-Verbrechen verurteilter Krimineller, Francesco Amato, hat sich am Montag in einer Postfiliale in Pieve Modolena in der norditalienischen Provinz Reggio Emilia verschanzt und fünf Personen als Geiseln genommen. Dies berichteten italienische Medien. Der 55-Jährige war mit einem Messer bewaffnet.

Sechs Kunden und eine Postmitarbeiterin ließ er frei, in seiner Gewalt hatte er vier weitere Mitarbeiter, darunter die Direktorin der Filiale. Der Mann forderte ein Treffen mit Innenminister Matteo Salvini. Amato war vergangene Woche im Rahmen eines Mammut-Prozesses gegen die mafiöse Organisation Ndrangheta zu 19 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden.

Laut Amato sei seine Verurteilung ungerecht. Er sei zwar ein Krimineller, aber kein Mafioso, behauptete er und drängte auf ein Treffen mit Salvini. Um die Postfiliale wurden unterdessen schärfste Sicherheitsvorkehrungen ergriffen. Die Polizei verhandelte zu Mittag mit dem verschanzten Mann.

147 Angeklagte in größtem Mafia-Prozess Norditaliens

Mit 129 Verurteilungen, 19 Freisprüchen und vier weiteren Freisprüchen wegen Verjährung war am Mittwoch einer der größten Mafia-Prozesse in Norditalien zu Ende gegangen, bei dem auch Amato angeklagt gewesen war. 147 Personen standen seit 2015 in Reggio Emilia vor Gericht. Geschäftsleute und Bandenchefs waren bei dem „Aemilia“ genannten Prozess beschuldigt worden, der kalabrischen Mafia Ndrangheta geholfen zu haben, sich im reichen Norden Italiens festzusetzen.

Die Ndrangheta gilt als eine der gefährlichsten, reichsten und mächtigsten Mafiavereinigungen Italiens. Sie soll einen Großteil des weltweiten Kokainhandels kontrollieren. In den vergangenen drei Jahrzehnten breitete sich die Ndrangheta immer weiter in den Norden Italiens aus, wo sie unter anderem regulär angemeldete Unternehmen zur Geldwäsche nutzt. (APA)