Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.11.2018


Bezirk Reutte

17-Jährige gestorben: Kein Urteil zu Unfall auf der Planseestraße

Nach dem tragischen Unfalltod einer 17-jährigen im Feber diesen Jahres wurde die Verhandlung vertagt. Der Lenker bekannte sich nicht schuldig. Auch das Tempo ist fraglich.

© Benedikt SiegertDas Fahrzeug des Unfalllenkers musste per Kran aus dem Plansee gefischt werden. Eine 17-jährige Gymnasiastin verlor ihr Leben.Foto: Benedikt Siegert



Reutte – Wie kam es am Abend des Valentinstages 2018 zu diesem tödlichen Unfall auf der Planseestraße? Eine 17-jährige Gymnasiastin verlor ihr Leben, ein zweites Mädchen wurde verletzt, als das Fahrzeug des damals 20-jährigen Lenkers am 14. Februar in den Plansee stürzte. Um diese Frage zu klären, stand am Dienstagnachmittag der mittlerweile 21-jährige Unglücksfahrer aus Innsbruck vor Richter Kurt Heinricher am Bezirksgericht Reutte. Er hatte sich am Bezirksgericht für Jugendstrafsachen wegen fahrlässiger Tötung sowie fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten.

Der junge Mann bekannte sich nicht schuldig und blieb bei seinen Schilderungen recht einsilbig. Alles hatte mit einem Abendessen in Reutte begonnen, die Mädchen waren „flüchtige Bekannte“, danach wollte man „noch ein bissl herumfahren“. Ziel: die Planseestraße. Die habe der junge Mann schon gekannt, „fünf, sechs Mal“ sei er sie zuvor gefahren, weil er bereits öfters in Reutte war.

Doch diese abendliche Spritztour endete tödlich. Die seinerzeit Verletzte trat als Zeugin auf. Sie schilderte, dass das Fahrzeug schon am Weg hinauf geschleudert sei. Ob das „cool“ sei, habe der Lenker die Mädchen gefragt. „Ja“, sei die Antwort gewesen, aber man habe ihn weder zum Langsamer- noch zum Schneller-Fahren animiert. Die Fahrt ging weiter am See entlang, die Zeugin habe sich in den Kurven mit den Füßen abstützen müssen. Dann wurde umgedreht, die Fahrt ging zurück. Wie schnell? „Weiß ich nicht, ich habe nicht auf den Tacho geschaut“, so die Zeugin. In einer Rechtskurve passierte es dann – auf trockener Fahrbahn: „Das Auto brach hinten aus, dann schleuderte es, dann brach es vorne aus“, so der Lenker. „Ein, zwei Sekunden“, schildert die Zeugin unter Tränen, habe es vom Rütteln bis zum Absturz in den See gedauert.

Vor allem die Frage des Richters nach der Geschwindigkeit konnten Zeugin und Lenker nicht beantworten. Die Tachonadel, zitierte der Richter aus dem Polizeibericht, blieb bei 70 km/h stecken. Achselzucken und Kopfschütteln beim Unglückslenker.

Der Richter forderte daher zur Klärung der Unfallgeschwindigkeit ein Ergänzungsgutachten an und will bei der nächsten Verhandlung auch die damals aufnehmenden Polizeibeamten befragen. Vertagt. (pascal)