Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Tirol

Teure Zerstörungswut: Meldungen über Vandalismus häufen sich

In den vergangenen Tagen haben sich in Tirol die Meldungen über Vandalismus im öffentlichen Raum deutlich gehäuft. Auf den Kosten bleibt meist die Allgemeinheit sitzen.

© ZOOM.TIROLIn Kufstein tobten sich Vandalen bei der Festung und einer Kapelle sowie im Stadtteil Mitterndorf aus, in Wörgl an einer Schule und in Landeck im Nisslpark.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Langeweile, jugendlicher Übermut, blinde Zerstörungswut? Was auch immer die Täter antreibt, „das ist kein Kavaliersdelik­t mehr“, macht Landecks Bürgermeister Wolfgang Jörg seinem Ärger Luft. Und den „jugendlichen Übermut“ will er schon gar nicht gelten lassen. Schließlich kostet das, was unbekannte Schmierer im so genannten Nisslpark unlängst verbrochen haben, die Gemeinde über 1000 Euro. „Mindestens“, meint BM Jörg und verweist auf die schwer zu reinigende Steinstruktur der betroffenen Trockensteinmauern. Mauern, die erst im Vorjahr aufwändig saniert worden waren und nun mit roter Farbe verunziert wurden. Auf den Reinigungskosten werde die Stadt wohl sitzen bleiben, außer es gelingt, die Täter auszuforschen. Denn eine Versicherung gegen Vandalismus im öffentlichen Raum ist kaum rentabel. „Die haben wir nur für die Parkautomaten abgeschlossen“, erklärt der Stadtchef.

Ärger und Unverständnis über eine Sprayattacke herrscht dieser Tage auch in Kufstein. Dort wurde, wie berichtet, die Festungsmauer mit einem Schriftzug und zwei Hakenkreuzen verunstaltet. „Gerade im historischen Bestand muss man bei der Reinigung besonders behutsam sein“, weiß Emanuel Präauer von der Festungsverwaltung Top-City-Kufstein GmbH. Diese Spezialreinigungen seien meist sehr aufwändig und das ziehe auch entsprechend hohe Kosten nach sich. Durchgeführt werden sie vom städtischen Bauhof, die Rechnung muss damit letztlich wieder die Allgemeinheit begleichen.

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Überhaupt scheint die Festungsstadt derzeit besonders ins Visier von Vandalen geraten zu sein: Auch eine Kapelle wurde das Ziel von Schmierern und im Stadtteil Mitterndorf besprühten Unbekannte Fassaden und Grundstücksmauern. Mitte Oktober wurde außerdem in Kufstein ein Radarkasten beschossen. Aber auch aus anderen Gemeinden im Unterland häufen sich Meldungen über Vandalismus: In Wörgl wurden bei einem Schulgebäude Fensterscheiben eingeschlagen und Mauern besprüht, am Bahnhof Wiesing eine Anzeigetafel mit Steinen beschädigt.

In Wiesing wurde beim Bahnhof eine Anzeigetafel der ÖBB beschädigt.
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Laut ÖBB wird jeder Van­dalenakt angezeigt: In Tirol wurden im vergangenen Jahr 22 Fälle von illegalen Graffitis und 16 Vandalismusvorfälle registriert. Im Österreichvergleic­h bewege man sich damit glücklicherweise auf relativ niedrigem Niveau, was nicht zuletzt dem Engagement der Mitarbeiter, den Verbesserungen im Bereich der Beleuchtung und der Videoüberwachung geschuldet sei, heißt es seitens der ÖBB Tirol.

Mit Schmierereien auf öffentlichen Gebäuden hat auch die Landeshauptstadt Innsbruck tagtäglich zu kämpfen. „Wir setzen hier auf eine Drei-Punkte-Strategie“, sagt der für die Sicherheit zuständige Vize-BM Franz Gruber. An oberster Stelle stehe die Prävention durch Bewusstseinsbildung. Zweitens arbeite man eng mit der Polizei zusammen und zeige die Fälle an. „Und drittens muss man die beschädigte Infrastruktur und die beschmierten Stellen möglichst rasch wieder reparieren und reinigen“, erklärt Gruber. Das sei zwar aufs Jahr gerechnet mit enormen Kosten verbunden, „wenn ein Graffiti aber nicht bald entfernt wird, zieht das Nachahmungstäter an“.

- Geiger