Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.11.2018


Tirol

Prozessflut wegen NS-Inhalten auf Handys

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© Reinhard Fellner



Innsbruck – Manchmal ist es die pure Dummheit, aber auch nicht selten eine untragbare und strafbare politische Gesinnung: Postings mit NS-Inhalten auf Handys häufen sich und werden über Web-Nachrichtendienste weitergesandt.

Was die meisten Versender und Adressate­n nicht bedenken: Inhalt­e zu Adolf Hitler in verschiedensten Posen, bebilderte Witze zum Holocaust oder NS/SS-Runen in entfremdetem Zusammenhang sind nach dem NS-Verbotsgesetz wegen Wiederbetätigung strafbar. Und zwar von einem Schwur­gericht – bis zu zehn Jahr­e Haft drohen derzeit regelmäßig.

Allein diese Woche kam es zu zwei NS-Prozessen am Landesgericht. Ein 46-Jähriger hatte über den Nachrichtendienst WhatsApp im Jahr 2016 Bilder von Adolf Hitler versandt, die aufgrund von Bildkombinationen und Beitexten wohl zum Lachen anregen sollten. Das Lachen verging angesichts von einem Jahr bedingter Haft und 7200 Euro Geldstrafe dann letztlich dem Tiroler. Anders gelagert der Fall einer Tirolerin am Mittwoch, die in einer desorientierten Lebensphase teilweise exakt die gleichen Bilder bekommen und weiterversandt hatte. Dazu hatte die Frau auch in einer Wohnung Hakenkreuze an die Wand gemalt.

Nach einem Besuch im einstigen Konzentrationszentrum Dacha­u aber ehrlich geläutert und reuig, ergingen hier gerade zehn Monate bedingte Haft plus 1800 Eur­o Geldstrafe und 500 Euro Verfahrenskosten.

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Schon am kommenden Donnerstag geht es bei einem Tiroler um eine Hitler-Büste und NS-Tätowierungen. (fell)