Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.11.2018


Tirol

Rotkreuz-Mitarbeiter soll Kolleginnen auf dem Klo gefilmt haben

Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes installierte angeblich Spionage-Kameras auf der Damentoilette in der Rettungszentrale am Innsbrucker Sillufer.

© audivir



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – „Schwere Verletzung der Privatsphäre im Damen-WC“: So lautet der Titel eines Rundschreibens, das jetzt den etwa 400 Mitgliedern des Innsbrucker Roten Kreuzes zugestellt wurde. Der Inhalt: Details einer pikanten Affäre, die vor etwa zwei Wochen zur Trennung von einem langjährigen Mitarbeiter geführt hat.

Der Angestellte des Roten Kreuzes soll zwei Videokameras in der Damentoilette im Erdgeschoß der Rettungszentrale am Sillufer installiert haben. Obmann Rupert Stöckl schreibt von einem „beschämenden Vorfall. Ich bin zutiefst erschüttert, dass in unserem Verein, der anderen Menschen hilft, solch ein Vergehen stattgefunden hat.“ Ein Vorfall, der laut Stöckl die Privatsphäre einiger weniger Betroffenen verletzt hat. Und die seien bereits persönlich informiert worden.

Offenbar waren es zwei Mitarbeiterinnen des Roten Kreuzes, die die winzigen Spionage-Kameras an der Toilettentür entdeckt und damit die Affäre ins Rollen gebracht haben. Die Konsequenz: „Dieser Vorfall wurde umgehend der Polizei gemeldet, und die Kriminalpolizei hat sofort die Ermittlungen aufgenommen“, informierte der Obmann die Mitglieder. Die Bemühungen der Kripo endeten offenbar mit einem schnellen Erfolg: „Nur wenige Stunden später konnte der mutmaßliche Verursacher ausfindig gemacht werden“, heißt es weiter im Informationsschreiben: „Aufgrund der Schwere der Vorfälle wurden sämtliche vereins- und dienstrechtliche Konsequenzen gesetzt.“ Anders ausgedrückt: Der Mitarbeiter musste vor etwa zwei Wochen seinen Hut nehmen.

Und das sorgte für ein Brodeln in der Rettungs-Gerüchteküche. Die Arbeitskollegen wunderten sich über den schnellen Abgang des beliebten Angestellten, der innerhalb weniger Jahre eine steile Karriere beim Roten Kreuz gemacht hat. Dass dem Mann Kameras auf der Damentoilette zum Verhängnis wurden, ahnte allerdings niemand.

Im TT-Gespräch betont der Obmann des Roten Kreuzes Innsbruck, dass den betroffenen Frauen bereits Hilfe angeboten wurde. „Auch von externer Seite, falls das gewünscht wird“, sagt Stöckl. Wie lange die nur wenige Zentimeter kleinen Kameras Bilder aus der Damentoilette lieferten, kann der Obmann derzeit nicht sagen. Fest steht nur, dass „der Fall sehr schnell geklärt wurde“, lobt der Vereinsobmann die Arbeit der Kriminalpolizei. Auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft sei sofort eingeschaltet worden.

Für den langjährigen, mittlerweile ehemaligen Mitarbeiter des Roten Kreuzes gilt die Unschuldsvermutung.


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