Letztes Update am Fr, 16.11.2018 16:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien

Frau wollte sich scheiden lassen: 15 Jahre Haft für Messerattacke

In einer Wiener Asylunterkunft hatte ein 35-Jähriger seiner Ehefrau im August fünf Messerstiche versetzt, weil er vermutete, dass sie ihn betrogen hatte und sie sich scheiden lassen wollte. Der Mann wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

© Thomas BöhmSymbolfoto.



Wien – Ein 35-jähriger Mann, der am 18. August 2018 in einer Asylunterkunft in Wien-Alsergrund seiner 28 Jahre alten Ehefrau ein Küchenmesser fünf Mal in den Körper gestoßen hatte, ist am Freitag am Landesgericht wegen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der anklagekonforme Schuldspruch der acht Geschworenen fiel einstimmig aus.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Verteidiger Philipp Wolm erbat Bedenkzeit, die Anklagevertreterin gab vorerst keine Erklärung ab.

Stiche in Bauch, Rücken, Achselhöhlen und Ellenbogen

„Ich wollte sie verletzen, aber nicht töten“, hatte sich der Angeklagte verantwortet. „Es war reines Glück, dass sie das überlebt hat“, hielt dem die Staatsanwältin entgegen. Eine zehn Zentimeter lange und vier Zentimeter tiefe Stichwunde hatte den Bauchraum der Frau geöffnet, nur dank äußerst rascher ärztlicher Hilfe konnte die Blutung rechtzeitig gestoppt werden. Die weiteren Stiche gingen in den Rücken, die Achselhöhle, den Ellenbogen und den Oberarm.

„Er hat die Vermutung gehabt, dass sie ihn betrügt“, argumentierte der Verteidiger. In der Asylunterkunft, wo das aus Afghanistan stammende Paar mit zwei kleinen Kindern lebte, hätten entsprechende Gerüchte kursiert. „Er hat sie regelmäßig zur Rede gestellt. Dann sind ihm die Nerven durchgegangen“, meinte der Anwalt. Sein Mandant sei „sicher kein kaltblütiger Mörder. Das war ein Ausrutscher, das ist passiert“.

Der Angeklagte räumte ein, eifersüchtig gewesen zu sein. Er habe zwar „keinen konkreten Verdacht“ gehabt, „aber wenn man jemanden sehr liebt, kommt einem manchmal der Verdacht, dass man ihn verlieren könnte“. Er habe „das Gefühl gehabt, dass sie mich weniger liebt oder nicht liebt“. Daher habe er seine Frau „immer angefleht, dass sie zur Familie hält“.

Paar war 2015 mit Kindern nach Österreich geflüchtet

Letztlich ausschlaggebend für den Griff zum Messer wäre gewesen, „dass sie mich beleidigt und beschimpft hat“, wie der 35-Jährige zu Protokoll gab. Seine um sieben Jahre jüngere Frau habe ihm offenbart, dass sie ihn verlassen werde und sich scheiden lassen wolle: „Sie hat mir erklärt, dass sie mich nicht mehr liebt.“

Das Paar war 2015 nach Österreich gekommen. Kennengelernt hatte der Angeklagte seine spätere Frau, als diese 21 Jahre alt und nach islamischem Recht mit einem um 20 Jahre älteren Mann verheiratet war. Die beiden gingen eine außereheliche Affäre ein und flüchteten schließlich in die Türkei, weil die Ehebrecherin in ihrer Heimat die Steinigung befürchten musste, wäre ihre Liaison bekannt geworden.

Als sie sich auch in der Türkei nicht mehr sicher fühlten, setzten die beiden ihre Flucht mit ihrem 2012 geborenen Sohn und einer 2014 zur Welt gekommenen Tochter in den Westen fort. In Wien verdingte sich der Mann – ein ausgebildeter Kickbox-Trainer, der in Afghanistan als Personenschützer gearbeitet hatte – auf Baustellen. Als das Paar, das sich zwischenzeitlich das Ja-Wort gegeben hatte, Anfang 2018 negative Asylbescheide erhielt, verschlechterte sich das Zusammenleben. Der 35-Jährige begann seiner Frau Liebschaften zu unterstellen. Zuletzt hatte sie aufgrund der Spannungen in ihrer Unterkunft zwei separate Zimmer beantragt.

Bevor es im Zuge des letzten Streits zu der Messer-Attacke kam, hatte der Mann der 28-Jährigen einen Faustschlag ins Gesicht verpasst, der einen mehrfach verschobenen Nasenbeinbruch zur Folge hatte. Als die Frau infolgedessen zu Boden stürzte, stach er auf sie ein. Dem aufgrund der Hilfeschreie alarmierten Heimleiter zufolge soll der Angeklagte am Tatort erklärt haben, er werde nicht „weggehen, bis sie tot ist“. Er habe „kräftig zugestochen“, es könne „nicht mehr lange dauern, höchstens Minuten“. (APA)


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