Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.11.2018


Innsbruck

Rotkreuz-Mitarbeiter filmte Frauen: In eigene Videofalle getappt

Der langjährige Mitarbeiter des Roten Kreuzes tappte in die eigene Videofalle — bei der Montage der getarnten Kameras löste er den Bewegungssensor aus und wurde gefilmt.

© audivirDie Damentoilette im Parterre der Innsbrucker Rotkreuz-Zentrale war Schauplatz der Kamera-Affäre.



Innsbruck – Am Morgen bei der Pradler Polizei angezeigt, am frühen Nachmittag geklärt: Die Ermittler benötigten am 23. Oktober nur wenige Stunden, um den Besitzer der Spionage-Kameras in den Damentoiletten des Roten Kreuzes (die TT berichtete) auszuforschen. Dabei leistete der Verdächtige selbst unfreiwillig Schützenhilfe. Der langjährige Mitarbeiter des Roten Kreuzes tappte in die eigene Videofalle – bei der Montage der getarnten Kameras löste er den Bewegungssensor aus und wurde gefilmt. Sein Gesicht war am Video zwar nicht zu sehen, sehr wohl aber das Namensschild auf der Rotkreuz-Uniform.

Nichtsdestotrotz bestritt der Beschuldigte zunächst, Besitzer der Kameras zu sein. „Mittlerweile hat er das aber zugegeben“, sagt Ermittlungsleiter Ernst Kranebitter. Insgesamt überwies der Einheimische etwa 150 Euro für die beiden Spycams, die wie gewöhnliche Kleiderhaken aussehen. So fielen die Kameras auch nicht auf, als sie an die Innenseiten der beiden Toilettentüren im Damen-WC im Parterre der Rotkreuz-Zentrale am Sillufer angebracht wurden. Zumindest nicht bis zum 23. Oktober.

„Kleiderhaken“ wie diese lieferten von den Damentoiletten des Innsbrucker Roten Kreuzes Videos in HD-Qualität.
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Wie lange die „Kleiderhaken“ in den WCs Frauen in HD-Qualität filmten, steht noch nicht fest. Wie die Ermittlungen bisher ergaben, sind die Kameras spätestens Mitte Oktober montiert worden. Und frühestens Mitte September – zu diesem Zeitpunkt hat der Verdächtige die erste der beiden Videoanlagen im Internet bestellt.

Auch die Anzahl der Opfer ist noch unklar: „Wir wissen mittlerweile von sechs Frauen, die gefilmt wurden“, sagt Kranebitter: „Aber es können noch mehr werden, die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.“ Am Montag stellten Kriminalbeamte bei einem Lokalaugenschein am Sillufer fest, dass nicht nur die WC-Anlage im Parterre überwacht wurde. „Zeitweise waren die Kameras auch in der Damentoilette im 6. Stock des Gebäudes montiert“, so Kranebitter weiter. Wie berichtet, hat das Rote Kreuz Innsbruck bereits die Konsequenzen gezogen. Der durchaus beliebte Mitarbeiter musste nach fast einem Jahrzehnt im Rettungsdienst Ende Oktober den Hut nehmen. Auch die Staatsanwaltschaft ist mittlerweile mit dem Fall befasst. (tom)