Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Bezirk Kufstein

Brandstifter schlug erneut zu: Die Nervosität in Kundl wächst

Nach dem Brand eines Schuppens und eines Firmenwagens legte ein unbekannter Täter einen Carport in Schutt und Asche. Die Nervosität steigt, ein Kundler fordert bereits den Einsatz von Nachtwächtern.

© ZOOM.TIROLIn der Feuerwand blieb nur das Blech der drei Fahrzeuge übrig, der Rest schmolz oder verbrannte.



Von Thomas Hörmann

Kundl – Von den beiden Ford Galaxy und dem kleinen VW sind nur noch die Blechgerippe übrig, der Carport ist eingestürzt, „sogar die Fenster meines angrenzenden Hauses sind geschmolzen“, sagt Besitzer Helmut Kofler. Die Auswirkungen einer Feuersbrunst, die in der Nacht zum Dienstag am Kundler Bergkreuzweg für enormen Schaden gesorgt hat. Die Brandursache war zunächst unklar. Für viele Kundler steht aber nach zwei Brandstiftungen seit Ende Oktober fest, dass der unbekannte Täter zum dritten Mal zugeschlagen hat. „Von allein fangen die Autos nicht zu brennen an“, meint auch Kofler. Eine Ansicht, die am Dienstagnachmittag von der Kundler Polizei bestätigt wurde: „Da technische Gebrechen an den Fahrzeugen nahezu ausgeschlossen werden können, wird von Brandstiftung ausgegangen.“

Es war gegen 3.30 Uhr, als die vierköpfige Familie durch lautes Prasseln und Knistern aus dem Schlaf gerissen wurde. „Wir wollten durch den Vorderausgang aus dem Haus flüchten, sind aber nicht an den brennenden Autos vorbeigekommen“, schildert Kofler: „Die Hitze war enorm.“ Schließlich konnten die Bewohner das Grundstück unverletzt über den Hinterausgang verlassen. Die Schüsse, die manche Kundler in der Nacht hörten, waren die platzenden Autoreifen. „Die Feuerwehr war unglaublich schnell da“, ergänzt der Hausbesitzer.

Die Brandermittler der Polizei beim Untersuchen der Wracks. Der „Schnee“ ist Löschschaum.
- Thomas Boehm / TT

„Gerade rechtzeitig, um ein Übergreifen der Flammen vom Carport auf das Wohnhaus zu verhindern“, erzählt der Kundler Feuerwehr-Kommandant Christof Huber. Nach einer Stunde hatten die 75 Feuerwehrmänner aus Kundl und Wörgl die Situation im Griff, die Flammen waren gelöscht.

Nicht im Griff ist die Situation hingegen für viele Kundler: „Ein mulmiges Gefühl“ sei das, erzählt ein Spaziergänger, der sich noch gut an die letzte Brandstiftungsserie (dreimal Motocross-Verein, Schützenheim und ein Gasthaus) vor sechs Jahren erinnert. „Damals waren die Schandi schon nah am Täter dran, aber der hat plötzlich aufgehört.“ Vielleicht, so vermutet der Einheimische, habe der unbekannte Feuerteufel jetzt wieder angefangen. Die pensionierte Gemeindeangestellte Margarethe Edenstrasser glaubt, dass der Brandstifter „sicher einer aus der Gegend ist“.

Tatsächlich liegen die Brandorte der jüngsten Serie im selben Ortsteil. Der Schuppen unmittelbar neben einem Wohnhaus, der in der Nacht zum 23. Oktober in Flammen aufging, ist einen Steinwurf von den drei verkohlten Autowracks entfernt, dazwischen fließt die Kundler Ache. 360 Meter nördlich befindet sich der Parkplatz am Eingang der Kundler Klamm. Dort brannte in der Nacht zum 7. November ein geparkter Firmenwagen aus. In beiden Fällen „müssen wir von Brandstiftung ausgehen“, bestätigte damals ein Brandermittler der Polizeiinspektion Kundl.

Nur einen Steinwurf entfernt: rechts der Schuppen, der am 23. Oktober ausbrannte, links der Carport, in der Mitte die Kundler Ache.
- Thomas Boehm / TT

Dass ein Feuerteufel am Werk ist, war auch beim Carport-Brand augenscheinlich: „Mir gefällt nicht, dass alle drei Pkw gleichzeitig in Flammen standen“, verlieh ein Nachbar, der Zeuge des nächtlichen Infernos wurde, seinem Argwohn Ausdruck: „Das war wie eine Feuerwand.“ Wie groß die Nervosität in Kundl mittlerweile ist, zeigt auch ein Fehlalarm in der Nacht zum Sonntag. Ein Zeuge meldete einen Waldbrand: „Tatsächlich war’s vermutlich Rauch aus einem Schornstein, gebrannt hat jedenfalls nichts“, stellt Feuerwehr-Chef Huber klar.

Der Kundler Sepp Margreiter fordert die Gemeinde auf, mehrere Nachtwächter „auch gegen Bezahlung für aufmerksame Gänge ausfindig zu machen“. Dabei denkt er an Feuerwehrleute, Pensionisten, Schützen etc.