Letztes Update am Do, 22.11.2018 20:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankreich

Neunjähriger von Familie getötet: Ging es um Hausaufgaben?

Ein Neunjähriger ist in Ostfrankreich von Familienmitgliedern so sehr verprügelt worden sein, dass er an den Folgen starb. Die Erklärung für die Tat, die kursiert, klingt ungeheuerlich.

(Symbolbild)

© pexels(Symbolbild)



Mulhouse – Angeblich hat der Kleine seine Hausaufgaben nicht machen wollen: Ein Neunjähriger soll im Elsass bei einer Bestrafung in seiner Familie zu Tode gekommen sein. Vier Verwandte sitzen jetzt für die Tat vor einem Monat in Untersuchungshaft. Das sagte die zuständige Staatsanwältin am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum grausigen Geschehen in der ostfranzösischen Stadt Mülhausen (Mulhouse).

Demnach wird dem 18 Jahre alten Bruder sowie der 19-jährigen Schwester des Opfers Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Gegen die Mutter wird wegen Beihilfe ermittelt, gegen eine Stiefschwester unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung.

Das Kind war laut der Staatsanwältin Mitte September im Zuge einer Bestrafung heftig geschlagen worden. Eine Autopsie habe ergeben, dass der Bub aufgrund der Gewalt ohnmächtig wurde und an seinem eigenen Erbrochenen erstickte, sagte sie. „Es handelt sich um eine sehr komplexe Familiensituation.“ Die genauen Hintergründe der Gewalt seien noch unklar.

„Strafe“ für nicht gemachte Hausaufgaben?

Zuvor hatten mehrere Medien übereinstimmend berichtet, der Bub habe seine Hausaufgaben nicht machen wollen und sei deswegen totgeschlagen worden. Seine Schwester, sein Bruder und dessen Freundin hatten laut der Nachrichtenagentur AFP Retter alarmiert, da sie das Kind nicht wiederbeleben konnten.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die französische Lokalzeitung Dernières Nouvelles d‘Alsace berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Polizeikreise, das Kind sei mit stumpfen Gegenständen geschlagen worden, unter anderem mit einem Besenstiel. Die Mutter sei sich der Lage wohl bewusst gewesen und habe möglicherweise gar zu der „Bestrafung“ ermutigt.

Der Tod des Kindes hatte laut der Zeitung in der Nachbarschaft große Anteilnahme ausgelöst. Die Umstände seines Todes waren zunächst unklar. Zur Unterstützung der Eltern war dem Bericht zufolge sogar ein Trauermarsch organisiert worden. (dpa)