Letztes Update am Di, 27.11.2018 14:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Tödliche Attacke in Innsbruck: Opfer starb durch einen Stich

Nach der tödlichen Attacke auf einen 21-jährigen Bregenzer in Innsbruck wurde ein tatverdächtiger 24-jähriger Afghane am Montag in die Justizanstalt überstellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Mordes.

Trauernde haben Kerzen und Blumen am Tatort niedergelegt.

© Zeitungsfoto.atTrauernde haben Kerzen und Blumen am Tatort niedergelegt.



Innsbruck – Was ist in der Nacht auf Sonntag entlang der Bogenmeile nur passiert? Diese Frage geistert nach einer tödlichen Messerattacke auf einen 21-jährigen Bregenzer im Bereich Ing.-Etzel-Straße/Museumstraße nicht nur in den Köpfen vieler Tiroler herum, die den sinnlosen Tod des Vorarlbergers nicht verstehen können. Auch die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich derzeit auf das „Warum“.

Dieses dreht sich derzeit auch um die Frage, ob dem Angriff tatsächlich kein Streit oder anderes vorausging, wie es zunächst schien: „Wir haben Hinweise darauf, dass dem Angriff möglicherweise ein Suchtmittelgeschäft vorausgegangen sein könnte. Das ist derzeit aber noch nicht gesichert“, erklärt der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamts, Christoph Hundertpfund, am Montag in einem Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Vor allem kann die Polizei noch nicht sagen, ob Opfer und Täter tatsächlich auch beide in einen möglichen Deal verwickelt waren. Die Ermittlungen gegen einen nach der Tat verhafteten 24-jährigen Afghanen sind aber offenbar so stichhaltig, dass der Mann heute vom Polizeianhaltezentrum in die Justizanstalt Innsbruck überstellt wurde. Morgen oder übermorgen wird der Haftrichter über die Verhängung der Untersuchungshaft entscheiden. „Wir ermitteln wegen des Verdachts des Mordes“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Thomas Willam.

Einsatzkräfte am Tatort.
Einsatzkräfte am Tatort.

Nach der Obuktion des Leichnams ist mittlerweile auch geklärt, dass ein einziger Stich in den Hals tödlich endete. Die Verletzung dürfte derart schwer gewesen sein, dass das Opfer keine Überlebenschance hatte.

Videoauswertung und Zeugenbefragung

„Wir haben die Begleiter des 21-Jährigen mittlerweile alle kurz befragt. Jetzt müssen sie noch näher einvernommen werden. Die Detailbefragungen beginnen am Montag“, so Hundertpfund. Aufschlüsse zum genauen Tatgeschehen erhoffen sich die Ermittler außerdem von der Auswertung der Videoaufzeichnungen in der Bogenmeile. Auch hier ist allerdings nicht klar, wie lange es dauern wird, bis Ergebnisse vorliegen.

Eine erste Sichtung der Videos kurz nach der Tat hat die Ermittler zu dem verdächtigen 24-Jährigen geführt. „Er bestreitet jeglichen Tatzusammenhang, wird aber im Lauf des Tages ebenfalls noch einmal einvernommen“, so Hundertpfund. Auf dem Video sei der mutmaßliche Täter von einem Beamten erkannt worden, die Qualität des Filmmaterials sei aber nicht sehr gut gewesen, schränkte Hundertpfund ein. Ein möglicher Begleiter des Afghanen, ein 20-jähriger Landsmann, der im Zuge der Fahndung ebenfalls verhaftet worden war, ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Die tödliche Messerattacke auf einen 21-jährigen Vorarlberger ereignete sich am Ende der Bogenmeile in Innsbruck an der Kreuzung Ing.-Etzel-Straße/Museumstraße.
Die tödliche Messerattacke auf einen 21-jährigen Vorarlberger ereignete sich am Ende der Bogenmeile in Innsbruck an der Kreuzung Ing.-Etzel-Straße/Museumstraße.
- zeitungsfoto.at

Attacke vermutlich mit Messer

Die tödliche Attacke hatte sich in der Nacht auf Sonntag im Bereich der Kreuzung Ing.-Etzel-Straße/Museumstraße ereignet. Das spätere Opfer war mit mehreren Freunden gegen 22 Uhr mit dem Zug in Innsbruck angekommen und in ein Lokal in der Bogenmeile gegangen. Dieses hatte die Gruppe gegen 0.30 Uhr verlassen. Der 21-Jährige aus Bregenz ging als letzter hinter der Gruppe und dürfte nicht mitbekommen haben, dass er offenbar verfolgt wurde. Auch die Begleiter wurden erst auf den Täter aufmerksam, als dieser längst die Flucht ergriff – nicht ohne zuvor dem 21-Jährigen mit einem spitzen Gegenstand, vermutlich einem Messer, in den Hals gestochen zu haben.

Platter fordert zusätzliche Polizisten

Mit Entsetzen und Betroffenheit reagierte LH Günther Platter auf die Straftat. Er wünschte den Angehörigen „viel Kraft in dieser schweren Stunde“ und forderte, „dass nun endlich die vom Innenministerium versprochenen zusätzlichen 4200 Planstellen österreichweit kommen. Es ist notwendig, dass Tirol dabei ordentlich berücksichtigt wird und schnellstmöglich Information über die Anzahl der neuen Tiroler Planstellen erhält, damit wir die Präsenz der Polizei deutlich erhöhen können. Die Polizei braucht hier massive Unterstützung, damit solche Straftaten verhindert werden.“

Während der Angreifer in nördliche Richtung davonlief, kümmerten sich die Vorarlberger um ihren zusammengebrochenen Freund. Sie leisteten Erste Hilfe und alarmierten die Rettung. Doch die verzweifelten Versuche der Einsatzkräfte, das Leben des Mannes zu retten, blieben ohne Erfolg: Er verstarb in der Innsbrucker Klinik.

Diskussion über Sicherheit

Im Rahmen einer sofort eingeleiteten Fahndung wurden zwei afghanische Männer aufgegriffen, wobei sich gegen einen der beiden nach einer Einvernahme am Nachmittag der Verdacht offenbar dermaßen erhärtete, dass er ins Polizeianhaltezentrum Innsbruck überstellt wurde.

Die Fahndung nach dem Täter blieb aber vorerst aufrecht, solange der 24-Jährige nicht zweifelsfrei als Täter identifiziert werden konnte, hieß es seitens der Polizei.

Die schreckliche Bluttat hat am Sonntag auch eine Diskussion um Waffenverbotszonen in Innsbruck aufgeworfen. Der für Sicherheit zuständige Vizebürgermeister Franz Xaver Gruber (VP) und die Freiheitlichen Rudi Federspiel und Markus Abwerzger forderten unisono die Einführung einer Waffenverbotszone für die Bogenmeile. Tatsächlich kündigte die Polizei Sonntagnachmittag das Inkrafttreten einer solchen ab 1. Dezember an. „Unabhängig von dem tragischen Ereignis in der Nacht“, wie die Exekutive in einer Aussendung betonte. (rena)


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