Letztes Update am Fr, 07.12.2018 07:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

„Wash-Wash“: Betrüger erbeutete 50.000 Euro mit bizarrer Masche

Ein junger Deutscher, der in Tirol lebt, ging einer besonders bizarren Betrugsmasche auf den Leim. Der Täter behauptete, Geld „umwandeln“ zu können.

Symbolbild.

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Innsbruck – Geduld, eine Investition von 4000 Euro und ein leichtgläubiges Opfer: Mehr war nicht nötig, um einen Betrüger um 46.000 Euro reicher zu machen. Die Masche des Täters ist keineswegs neu und in Polizeikreisen als „Wash-Wash“-Methode bekannt.

Ausgangspunkt des Betrugs war Innsbruck: Dort kam ein im Raum Hall lebender Deutscher Ende Oktober zufällig mit einem Afrikaner ins Gespräch. Und erfuhr dabei, dass sein Gesprächspartner im Besitz einer großen Menge Bargeld sei, die von Kamerun nach Europa geschmuggelt wurde. Um die Scheine zu tarnen, seien sie mit einer Chemikalie weiß eingefärbt worden. Mit einer weiteren Substanz und ungefärbten Geldscheinen als „Katalysator“ könne die weiße Farbe wieder entfernt werden. Der 28-jährige Deutsche war skeptisch, willigte aber einer Vorführung im Innsbrucker Hotelzimmer des Afrikaners ein. Tatsächlich gelang es dem angeblichen Schmuggler, mit Hilfe eines 100-Euro-Scheins des Deutschen zwei weiße Hunderter zu entfärben. Der 28-Jährige erhielt nicht nur seinen Einsatz zurück, sondern eine entfärbte Banknote als Gewinnanteil. Um sicherzugehen, ließ das spätere Opfer den Hunderter in der Bank überprüfen. „Das Geld war echt“, beschreibt ein Haller Polizist das Ergebnis.

Jetzt war der 28-Jährige bereit, den Versuch zu wiederholen. Wieder mit Erfolg – 2000 Euro stellte der Deutsche für die „Entfärbung“ zur Verfügung, mit 6000 ging er heim. Auch diesmal war der Gewinn echt, wie ein Bankmitarbeiter bestätigte. Und das Opfer hing endgültig am Angelhaken des Betrügers.

Die dritte Entfärbung – diesmal ging’s um 100.000 Euro Schmuggelgeld und 50.000 Euro Einsatz – sollte am 28. November im Bad eines Wiener Hotelzimmers stattfinden. Eigentlich konnte nichts schiefgehen, der Deutsche blieb über Nacht beim Geld im Zimmer, der Afrikaner ging. Dennoch gab’s ein böses Erwachen. Denn die Flasche mit der Chemikalie explodierte noch vor der „Entfärbung“. Einsatz und Schmuggelgeld waren nur noch ein nasser, übelriechender Klumpen. Und der Afrikaner nicht mehr erreichbar. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter die 50.000 Euro des Deutschen bereits am Vorabend durch Falschgeld ersetzt hat. Wie ein Test ergab, bestand die Chemikalie aus Buttermilch und Backpulver, das die Explosion auslöste. (tom)