Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.12.2018


Exklusiv

Vorwürfe nach Sex zwischen Schülern in Innsbruck

Die sexuelle Begegnung zweier Kinder (zwölf und 13 Jahre) bringt eine Schule in Bedrängnis. Gefordert wird, dass der Zwölfjährige aus der Mittelschule fliegt.

Um ihrem Mitschüler nicht zu begegnen, bleibt eine 13-Jährige seit zwei Wochen der Schule fern.

© iStockphotoUm ihrem Mitschüler nicht zu begegnen, bleibt eine 13-Jährige seit zwei Wochen der Schule fern.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Polizei ermittelt, Anwälte intervenieren, Schuldirektion und Jugendamt suchen nach Lösungen. Der Grund für den Aufruhr in der Erwachsenenwelt ist eine sexuelle Begegnung in einem Innsbrucker Kinderzimmer, bei der ein zwölfjähriger Bub und ein 13-jähriges Mädchen die Hauptrollen spielten. Die beiden waren seit der Volksschule befreundet, besuchen dieselbe Mittelschule. Doch damit soll jetzt Schluss sein – die 13-Jährige will den Zwölfjährigen nicht mehr sehen. Weil das Erlebnis im Kinderzimmer angeblich nicht freiwillig war, ihre Mutter spricht sogar von Vergewaltigung. Und fordert, dass der Bub von der Schule fliegt. Allerdings beteuert der ohnehin strafunmündige Zwölfjährige seine Unschuld.

Es war Ende November, als der junge Innsbrucker beschloss, den Nachmittag nach Schulschluss nicht im Hort, sondern zu Hause zu verbringen. Aber nicht allein – er lud auch die 13-Jährige ein. Wenig später saßen die beiden in seinem Kinderzimmer und schauten Serien im TV. Die Freunde waren allein in der Wohnung.

Was dann geschah, ist unklar. Die Teenager schildern die Situation unterschiedlich. Die 13-Jährige gab bei der Anzeige am nächsten Tag gegenüber der Polizei an, beide seien kurz eingeschlafen. Als die Schülerin wieder aufwachte, sei sie halbnackt gewesen. „Aus Angst tat ich weiter so, als würde ich schlafen“, diktierte sie dem Polizeibeamten: „Ich hatte Angst, dass er gewaltsam wird, wenn ich etwas sage.“ Daran änderte sich offenbar auch nichts, als der Zwölfjährige den Geschlechtsverkehr vollzog. Als sei nichts passiert, zogen sich die Teenager im Anschluss an und verließen gemeinsam die Wohnung.

Der Zwölfjährige gab hingegen an, das Mädchen sei durchgehend wach gewesen. Sie hätten „geschmust“, alles Weitere habe sich dann ergeben, schilderte der Bub sinngemäß bei der Polizei. Er habe keinerlei Gewalt angewendet. Ein Punkt, den die 13-Jährige bestätigte. Auch in der Klinik konnten bei ihr keine Verletzungen festgestellt werden.

Erst am Abend drohte der Bub im Chat, dass das Mädchen ein Leben lang „ausgeschissen“ hätte, wenn sie vom Geschehen im Kinderzimmer erzählen würde. Dennoch dauerte es nicht lange, bis die gemeinsamen Freunde und auch die Angehörigen von der Sache erfuhren. Die Mutter der 13-Jährigen hat nicht nur die Anzeige veranlasst, sondern auch den Innsbrucker Anwalt Hermann Holzmann eingeschaltet. Und der fordert jetzt 5000 Euro Schmerzensgeld, die (finanzielle) Anerkenntnis etwaiger Spätfolgen und den Rauswurf des Zwölfjährigen aus der Schule. Zumal sich seine Mandantin seit dem Vorfall vor mehr als zwei Wochen aus Angst vor einer Begegnung mit dem Buben nicht mehr in der Lage sah, die Schule zu besuchen: „Es kann nicht sein, dass das Opfer die Schule verlassen muss. Opferschutz geht vor.“

Der Direktor der betroffenen Mittelschule sieht das anders: Den Zwölfjährigen aus der Schule zu werfen, sei rechtlich nicht gedeckt. „Ich kann mich auch nicht an einem Gerichtsurteil orientieren, da es zu keiner Verhandlung kommen wird – der Schüler ist strafunmündig.“ Außerdem stehe Aussage gegen Aussage. Der Opferschutz sei ebenso wie die Unschuldsvermutung zu berücksichtigen. Aus der Sicht des Direktors gibt es drei Möglichkeiten: „Einer von beiden verlässt die Schule, beide gehen oder es gelingt eine Einigung zwischen den Betroffenen.“ Man sei bestrebt, schnell eine Lösung zu erzielen.

Beate Köll-Kirchmeyr, Schwazer Anwältin des Zwölfjährigen und seiner Eltern, appelliert an die Vernunft: „Wir müssen vor allem bestrebt sein, den Kindern nicht die Zukunft zu versauen.“ Köll-Kirchmeyr sieht keinen Grund für einen Schulverweis: Abgesehen davon, dass der Bub strafunmündig ist, „liegt auch keine Straftat vor“. Zum Schmerzensgeld meint die Anwältin: „Fordern kann man viel.“ Für sie ist der Zwölfjährige das Opfer, der mittlerweile in den sozialen Netzwerken Ziel einer Kampagne sei.