Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.01.2019


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Alleinreisende Elternteile mit Kindern: Gericht klagt über Ansturm

Viele Länder verlangen die Erlaubnis des Partners, wenn ein Elternteil allein mit Kind verreist. Tirols Gerichte fühlen sich nicht zuständig.

Oft können Kinder mit einem Elternteil nur reisen, wenn die Zustimmung des anderen erfolgt.

© iStockOft können Kinder mit einem Elternteil nur reisen, wenn die Zustimmung des anderen erfolgt.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Wie die Tiroler Tageszeitung schon 2017 aufzeigte, verlangen immer mehr Länder von Elternteilen, die alleine mit Kindern reisen, eine Bestätigung des zweiten Elternteils, dass dieser einverstanden ist, dass das Kind außer Landes gebracht wird. Dabei handelt es sich um eine Vorgabe der Haager Konvention, um die Entführung von Kindern zu verhindern.

Der ÖAMTC bietet derartige Formulare an, sie müssen behördlich beglaubigt werden. Wigbert Zimmermann, Leiter der Medienstelle des Oberlandesgerichts Innsbruck, hat nun in einem Brief an das Justizministerium darauf aufmerksam gemacht, dass die örtlichen Gerichte das Ausstellen der gewünschten Bestätigungen nicht als ihre Aufgabe sehen. „Gerade am Bezirksgericht Kufstein sind in den vergangenen Wochen immer mehr Mütter zur kostenlosen Sprechstunde gekommen, die so eine Erklärung des Partners benötigten.“

Am Flughafen München wird die Vorgabe nämlich genau exekutiert. Die TT stieß im Sommer 2017 auf diese Hürde, da einer Witwe aus dem Unterland mit ihrer neunjährigen Tochter der Abflug nach Ägypten verwehrt wurde. Sie führte keine Sterbeurkunde des Mannes mit. Auf den Beschwerdebrief der Mutter kam die Replik, dass diese Kontrollen in München üblich seien, um beim Verdacht auf Kindesentziehung einschreiten zu können. Herbert Kindlhofer von der grenz- und fremdenpolizeilichen Abteilung der Landespolizeidirektion Tirol erklärte damals, dass reisenden Minderjährigen im Schengener Abkommen ein besonderer Schutz zukomme. Er riet den Betroffenen, sich frühzeitig vor einer Reise über die notwendigen Bestätigungen zu informieren. Nun scheint die Frage, wer denn nun eigentlich für die Ausstellung der Formulare zuständig ist, wieder virulent zu werden.

Zimmermann hält die Maßnahme zwar für sinnvoll, ist aber der Meinung, dass die Art der Durchführung abgeklärt gehört. Mit Kindesentziehung ist man auch in Tirol immer wieder konfrontiert. Zu Weihnachten 2017 berichtete die TT über eine Russin, die ihre Kinder ins Ausland gebracht hat. Der Vater weiß bis heute nicht, wo sich die Kinder befinden und wie es ihnen geht.

Zum Glück eskalieren Trennungen selten dermaßen: Die Tiroler Justiz spricht von einer Handvoll Fällen von Kindesentführung pro Jahr. Klar ist, jeder Fall ist zu viel.