Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.01.2019


Verkehrspolizei

Tiroler Polizei hat Kleinlaster im Auge

Tirols Verkehrspolizei kontrolliert derzeit wieder verstärkt Kleinlaster. Viele dieser Sprinter sind bei Kontrollen überladen. Transportfirmen nutzen gesetzliche Schlupflöcher.

Polizeiliche Kontrolle eines Kleinlasters an der Kontrollstelle Radfeld.

© PolizeiPolizeiliche Kontrolle eines Kleinlasters an der Kontrollstelle Radfeld.



Von Liane Pircher

Innsbruck – Zu nächtlicher Stunde am Wochenende fallen sie besonders auf: Kleinlaster mit polnischen Kennzeichen, die hintereinander – etwa auf der Fernpass- oder Brennerbundesstraße – unterwegs sind. Diese Situation ist in Tirol mittlerweile ein häufiges Bild und im Prinzip auch eine Umgehung der Beschränkung des Schwerverkehrs im Transportwesen.

Ein Trend, auf den die Polizei seit Jahren reagiert: „Wir haben diese Kleintransporter im Visier, das ist kein neues Phänomen. Seit einigen Wochen haben wir wieder ein besonderes Augenmerk darauf. Eine genaue Statistik dazu führen wir aktuell nicht, aber es wird erst in nächster Zeit eine Bilanz dazu geben“, erklärt Markus Widmann, Leiter der Verkehrspolizei, gegenüber der TT.

Erst vor wenigen Tagen wurden im Dezember 42 Kleintransporter überprüft – zehn davon waren überladen. So wog etwa ein Sprinter 6100 Kilo, was einer Überladung von mehr als 70 Prozent entspricht. Bei der Kontrollstelle Radfeld brachte ein italienischer Transporter statt der erlaubten 3,5 Tonnen knapp fünf Tonnen auf die Waage. Ein Zuviel an Nutzlast ist insgesamt die häufigste Situation, der die Polizei bei Kontrollen von Kleintransportern begegnet. Viele Kleintransporter mit an sich höherer zulässiger Gesamtmasse werden einfach auf ein niedrigeres Gesamtgewicht „heruntertypisiert“, womit das Eigengewicht des Wagens relativ hoch ist – die Autos werden trotzdem voll beladen.

Der Leiter der Verkehrspolizei weiß, dass die Kleinlaster im Transportgewerbe gerne genutzt werden, „weil sie alle Privilegien eines Pkws ausschöpfen können“. Fakt ist, dass mit bis zu 3,5 Tonnen für sie keine Nacht-, Wochenend- oder Feiertagsverbote gelten. Anders als Lkw-Fahrer brauchen sie auch keine Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten, auch ein Einbau eines Kontrollgerätes ist nicht verpflichtend. Und auf der Autobahn können sie schneller fahren. Viele der Autos sind in osteuropäischen EU-Ländern wie Polen gemeldet und Lenker fahren zu Dumpinglöhnen quer durch Europa möglichst billig auf Transitachsen. „Viele davon haben eine Schlafkoje im Auto“, sagt Widmann. Rechtlich gesehen ist das „nichts Verbotenes“, wenn Kleintransporter legal die Flexibilität eines ganz normalen Pkws nutzen. Die Polizei kann deshalb auch „nur“ verkehrstechnisch kontrollieren. Während Spediteure zu diesem Trend aus eigenem Interesse zurückhaltend agieren, ist Österreichs Frächtern die steigende Zahl der Kleinsprinter ein Dorn im Auge. Nicht nur, weil es für viele im Transportwesen billiger ist, drei Kleintransporter auf die Straße zu schicken als einen großen Lkw. „Es geht nicht nur um Wettbewerbsverzerrung, sondern auch um Sicherheit auf Österreichs Straßen. Man müsste auf europäischer Ebene zumindest regeln, dass diese Kleintransporter verpflichtend Kontrollgeräte für Fahrzeiten eingebaut haben müssen“, sagt etwa der Frächter Wolfgang Schneckenreither. Anders als Fahrtenbücher kann man Geräte nur schwer manipulieren. Und übermüdete Lenker seien immer ein Risiko – egal, ob im Kleintransporter oder Lkw.