Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Innsbruck

Innsbrucker (26) führte Rosenkrieg mittels Fake-Account: Geldstrafe

Eifersüchteleien unter Homosexuellen brachten Terror im Internet und eine Verurteilung wegen Datenfälschung.

Smartphone als Waffe: Über Internetplattformen kann man Personen auf anonyme Weise relativ leicht in Verruf bringen.

© AFPSmartphone als Waffe: Über Internetplattformen kann man Personen auf anonyme Weise relativ leicht in Verruf bringen.



Innsbruck — Wie perfide heutzutage zwischenmenschliche Auseinandersetzungen geführt werden, zeigte gestern ein Prozess rund um Stalking, fortgesetzte Belästigung im Wege eines Computersystems und Datenfälschung. Nicht umsonst brachte der Umgang mit dem Internet nun auch neue Straftatbestände. Das Internet als rechtsfreier Raum — diese Zeiten sind vorbei.

Dies verspürte gestern am Landesgericht auch ein 26-jähriger Innsbrucker, dessen Liebesbeziehung zu einem 29-Jährigen nicht von langer Daue­r war. Der Romanze folgten danach jedoch ausgeprägte Eifer­süchteleien, die nicht nur neue Freunde der Männer betrafen, sondern vor allem den 29-Jährigen selbst.

Die Art der Auseinandersetzung war existenzbedrohend. So erfuhr der Mann von Bekannten, dass ein Internet-Account mit seinem Namen, Bildern und dessen Telefonnummer existiere, auf dem der 29-Jährige sich mit jungen Männern verabreden wolle. Ein Fake-Account, der nicht vom 29-Jährigen stammte. Auch ein Eintrag auf einer Dating-Plattform war anonym eingerichtet worden, gleichwie dem Arbeitgeber des Verfolgten angebliche arbeitsrechtliche Verstöße mitgeteilt worden waren. Schon zuvor war auf einer Gesprächsplattform über alkoholisiertes Fahren und Geschlechtskrankheiten des 29-Jährigen geschrieben worden.

Letztere Tatbestände konnte Strafrichter Josef Geisler dem 26-Jährigen nicht zweifelsfrei zuordnen. Auch plädierte Verteidiger Michael Schönlechner, dass man von Stalking (beharrliche Verfolgung) bei einigen wenigen angebahnten Kontakten noch nicht sprechen könne. Das Vergehen der Datenfälschung lag durch das Anlegen des Account­s auf den Namen des 29-Jährigen aber vor. Dieser bekam 500 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. 1200 Euro Geldstrafe muss der 26-Jährige zudem berappen.