Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


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Drogensituation in Tirol: Mehr Frauen bei Drogentoten

21 Menschen starben im Vorjahr in Tirol an den Folgen des Suchtmittelkonsums. Mit nahezu 40 Prozent war der Anteil der weiblichen Opfer ungewöhnlich hoch.

Heroin spielt in der Tiroler Suchtmittelszene kaum noch eine Rolle.

© dpaHeroin spielt in der Tiroler Suchtmittelszene kaum noch eine Rolle.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Nach dem Ausnahme-Jahr 2017 hat sich die Drogensituation in Tirol 2018 wieder zugespitzt. Zumindest, was die Anzahl der Opfer anbelangt: 21 Menschen ließen zwischen 1. Jänner und 31. Dezember 2018 nach dem Konsum von illegalen Suchtmitteln ihr Leben, um acht mehr als im Jahr zuvor. Ungewöhnlich ist auch, dass im Vorjahr acht der Opfer weiblich waren. Ein außerordentlich hoher Anteil.

Auch wenn der Anstieg signifikant scheint, relativiert Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes. „Die 13 Opfer im Jahr 2017 waren für Tiroler Verhältnisse fast schon die Ausnahme, um die 20 Drogentote entsprechen eher dem langjährigen Durchschnitt.“

Tatsächlich fiel die Opferbilanz nur 2004 besser aus als 2017: In der damaligen Statistik schienen lediglich elf Suchtgiftopfer auf – der geringste Wert seit Jahrzehnten.

„Wir hatten aber auch Jahre, in denen deutlich mehr Menschen in Tirol verbotenen Suchtmitteln zum Opfer fielen“, erinnert Pupp an 2011, als die Polizei 30 Drogentote zählte. In der Statistik des Gesundheitsministeriums schienen aufgrund der etwas anderen Zählweise 28 Tote auf. So viel wie 1993, dem zweitschlimmsten Jahr in der Tiroler Kriminalgeschichte.

Zurück in die nähere Vergangenheit: Warum im Vorjahr fast 40 Prozent der Tiroler Drogenopfer weiblich waren, ist unklar. Fest steht nur, dass der Anteil ungewöhnlich hoch ist. 2017 war unter den 13 Toten nur eine Frau, im Jahr zuvor blieb das Verhältnis zwischen männlichen (18) und weiblichen Opfern (5) ebenfalls deutlich unter dem aktuellen Wert von 40 Prozent.

Bei den Ursachen ist hingegen alles beim Alten geblieben: In den Körpern der meisten Opfer stellten die Gerichtsmediziner auch im Vorjahr Mischungen verschiedener Substanzen fest. Mit zwei gemeinsamen Nennern – Morphine und Alkohol waren fast immer dabei, häufig Benzodiazepine (Schlafmittel). Allesamt Substanzen, die in Supermärkten und Apotheken zu finden sind. Die Morphine erhalten Suchtkranke als Ersatzmittel für Heroin auf Rezept, die Schlafmittel ebenso. Die Mischung ist deshalb so beliebt, weil sie den Konsumenten den ersehnten Kick verschafft, den sie von den Ersatzdrogen allein nicht erhalten.

Heroin spielt hingegen kaum noch eine Rolle. Weder am Schwarzmarkt noch in Bezug auf die Todesursache: „Früher führte meist eine Überdosis Heroin zum Ableben der Konsumenten. Die Zeiten sind aber vorbei“, weiß Pupp. Eine Entwicklung, die mit den Morphinen auf Rezept zusammenhängt – die Ersatzdrogen aus der Apotheke sind auch am Schwarzmarkt in vergleichsweise großen Mengen verfügbar und haben das Heroin verdrängt. Das geht auch aus dem aktuellen Suchtmittelbericht des Bundeskriminalamtes hervor. „Heroin spielt derzeit eine sehr untergeordnete Rolle. Jene, die Heroin konsumierten, befinden sich zumeist in Substitutionsprogrammen. Zumeist wurde das Heroin über das Internet bzw. Darknet bezogen“, heißt es dort zur Situation auf dem Tiroler Drogenmarkt.

Landespolizeidirektor Helmut Tomac (M.), Walter Pupp (r.) und  Martin Kirchler präsentierten wie bereits im Jahr zuvor die Jahresbilanz der Kriminalfälle in Tirol.
Landespolizeidirektor Helmut Tomac (M.), Walter Pupp (r.) und Martin Kirchler präsentierten wie bereits im Jahr zuvor die Jahresbilanz der Kriminalfälle in Tirol.
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