Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.02.2019


Bezirk Reutte

Lawine auf Piste in Berwang: Polizei ermittelt

Nach dem Lawinenabgang auf eine Piste in Berwang wurden wegen „fahrlässiger Allgemeingefährdung“ Ermittlungen aufgenommen.

Bei einem Lawinenabgang in Berwang wurden elf Personen verschüttet.

© zoom.tirolBei einem Lawinenabgang in Berwang wurden elf Personen verschüttet.



Von Helmut Mittermayr

Berwang – In Bayern herrscht auch fünf Tage nach dem Lawinenabgang in Berwang, bei dem elf Personen verschüttet wurden, aber alle unverletzt blieben, weiter helle Aufregung – wurden doch auch Kinder mitgerissen. Wie etwa die Augsburger Allgemeine berichtet, fand gerade das Abschlussrennen des Kinderskikurses der DJK Leitershofen statt. Hunderte hatten sich zu dem Breitensportereignis des schwäbischen Sportvereins angemeldet. Auch über die unglaublichen Ängste, die anfangs vorherrschten – bis klar wurde, dass niemand fehlte –, informiert das Blatt. Die Schreie der besorgten Eltern seien durch Mark und Bein gegangen. Lawinenopfer schildern den Einschlag und stellen kritische Fragen. Warum sei so etwas auf einer gesicherten Piste, wo niemand einen Lawinenpieps trage, möglich? Warum habe es fast eine Stunde gedauert, bis Retter mit Hunden den Lawinenbereich nachsuchten?

Die Polizei hat derweil ihre routinemäßige Arbeit aufgenommen und ergebnisoffene Ermittlungen wegen „fahrlässiger Allgemeingefährdung“ eingeleitet. Nach Abschluss der Erhebungen wird die Staatsanwaltschaft informiert. „Dass eine Allgemeingefährdung vorliegt, dazu gibt es einen Anfangsverdacht, auch wenn es keinen Verletzten gegeben hat“, erläutert Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz. Wer als Adressat in Frage komme, müsse erst geklärt werden. Zwischen Lawinenkommission, Geschäftsführung und Betriebsleitung der Bergbahnen habe es interne Absprachen über die Zuständigkeiten gegeben, die erst zu dechiffrieren seien. Laut Walter Schimpfössl, Chef der Alpinpolizei, herrschte am Sonntag Lawinenwarnstufe 3. Bei der Morgenbesprechung seien die Verantwortlichen in Berwang zum Schluss gekommen, dass keine Lawinengefahr vorliege, deshalb seien am Thaneller auch keine Sprengungen vorgenommen worden. Dann habe es aber den ganzen Tag geschneit. Um 13.35 Uhr kamen die Staublawinen.

Die Zuständigen in Berwang sind seit dem Vorfall telefonisch nicht erreichbar.




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