Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Gerichtssplitter

Schizophrener Innsbrucker nahm Geisel, um zu sterben

Ein erfahrener Polizist beendete den Banküberfall eines lebensmüden Schizophrenen. Der musste sich jetzt vor Gericht dafür verantworten.

Im August überfiel ein 42-Jähriger eine Innsbrucker Sparkassenfiliale mit dem Ziel, von der Polizei erschossen zu werden.

© APAIm August überfiel ein 42-Jähriger eine Innsbrucker Sparkassenfiliale mit dem Ziel, von der Polizei erschossen zu werden.



Innsbruck — Erst in Schlaftablettenabhängigkeit, später Morphiumkonsument. Begleiterscheinungen einer psychischen Erkrankung mit schizophrenen Episoden, die das Leben eines Innsbruckers bestimmt. Letzten August spukten die wahnhaften Störungen im Kopf des 42-Jährigen besonders stark herum. War er doch der Überzeugung, dass Personen auf ihn Lebensversicherungen abgeschlossen hätten und ihm deshalb nach dem Leben trachten würden.

Dazu glaubte er aufgrund intravenöser Gab­e des Morphiums, dass er HIV-positiv sei und dies Ärzt­e aber aufgrund einer Verschwörung in Abrede stellen würden. Unter Einfluss von Alkohol fand der Schizophrene letztlich einzig in einem „provozierten Suizid" einen Ausweg aus der eingebildeten HIV-Erkrankung. So betrat der Großgewachsene nachmittags eine nahe an seiner Wohnung gelegene Sparkassenfiliale mit zwei Messern und Abschleppseil und inszenierte eine Geiselnahme — mit dem Ziel, dabei von der Polizei erschossen zu werden.

Drei Bankangestellte fesselte der zur Tatzeit Unzurechnungsfähige, zwei Kunden sperrte er ein. Es war wohl jahrelange Erfahrung im Polizeidienst, die Abteilungsinspektor (PI Innere Stadt) Wolfgang Spinn sagte, dass man es hier nicht mit einem normalen Überfall samt Geiselnahme zu tun hatte. So gelang es dem Präventionsbeamten Spinn nach kurzer Zeit, den Schizophrenen zur Aufgabe zu bewegen und festzunehmen. Bis dahin machten die im Ungewissen befindlichen Geiseln jedoch ein psychisches Martyrium durch.

So war es noch gestern einer Zeugin aufgrund der mentalen Belastung nicht möglich, zum Verfahren auf Anstaltseinweisung ans Landesgericht zu kommen. Gerichtspsychiater Miklos Maros­i sah bis zur vollständigen Heilung des 42-Jährigen die Gefahr weiterer solcher Taten. Auch Staatsanwalt Andreas Leo resümierte so, dass man wohl den Betroffenen und die Gesellschaft weiter vor ihm schützen müsse. Nach kurzer Beratung wurde die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher ausgesprochen.

Afghane wegen Kinderpornos zu Geldstrafe verurteilt

Immer und immer wieder beteuerte ein Afghane gestern am Landesgericht, dass ihm nicht bewusst gewesen sei, dass Konsum und Weitergabe von Kinderpornografie in Österreich strafbar sei. Richterin Sandra Presslaber ließ dies angesichts eines Aufenthalts in Österreich seit 2011 nicht gelten.

Auch auf Fragen, ob so etwas denn in Afghanistan erlaubt sei, reagierte der 29-Jährige ausweichend. Da es sich um die Weiterleitung eines Videos handelte, blieb es bei zur Hälfte bedingten 960 Euro Geldstrafe. Dazu wurde das Handy konfisziert. (fell)