Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.02.2019


Innsbruck

Einbrüche entlarvten Vergewaltiger: 30-jähriger Tiroler vor Gericht

Nach sieben Jahren wurde der 30-Jährige anhand von DNA-Spuren einer Vergewaltigung in Innsbruck überführt: Der Mann bestreitet die Tat, allerdings könnter nur ein eineiiger Zwilling weltweit noch der Täter sein.

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© TT/Böhm(Symbolfoto)



Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Im Jahr 2012 ereignete sich in Innsbruck eine Serie von sexuellen Übergriffen. Seit gestern ist einer von ihnen endgültig geklärt. Die Polizei dürfte sich letztlich beim Täter bedanken. Der 30-Jährige hatte letzten Sommer mit einer Freundin nämlich für teils lächerliche Beute Einbrüche in Wasch- und Tankstellenautomaten begangen und dabei dort seine DNA hinterlassen. Nachdem das Paar in ihrem schwarzen Uralt-BMW aber wiedererkannt worden war, konnte das diebische Duo bald geschnappt werden.

Umso größer war dann die Überraschung beim Landeskriminalamt, als die DNA des Verhafteten in der Datenbank einen Treffer unter „ungeklärten Verbrechen“ ergab. Die Spur führte zurück zum Silvestermorgen 2012, an dem eine Innsbruckerin in ihrem Stiegenhaus vergewaltigt worden war.

Gestern am Landesgericht kam dann für den zweifachen Familienvater in der Anklage von Staatsanwältin Elisabeth Neurauter einiges zusammen. Neben Vergewaltigung und gewerbsmäßigem Einbruchsdiebstahl war noch die schwere Nötigung einer weiteren Freundin angeklagt. Zum Hauptvorwurf präsentierte der 30-Jährige vor dem Schöffensenat unter Richter Norbert Hofer gleich mehrere Alibis und beschwor, dass er damals keinesfalls der Täter gewesen sei.

Während Verteidiger Chris­tof Heel noch auf ein weiterführendes biostatisches Gutachten plädierte, konnte Gerichtsmedizinerin Petra Hatzer-Grubwieser die Täterschaft anhand der DNA-Funde auf der Unterwäsche des Opfers jedoch zweifelsfrei eingrenzen: „Die Merkmale treffen mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Milliarde auf den Angeklagten zu. Rechnerisch ist sie sogar noch eher höher. Drei Personen der männlichen Weltbevölkerung tragen also diese Muster. Da käme als sonstiger Täter eigentlich nur ein eineiiger Zwillingsbruder in Frage“, so Gerichtsmedizinerin Hatzer-Grubwieser. Der Angeklagte brachte darauf noch eine mögliche Intrige seines verthassten Schwagers ins Spiel. So könne die sichergestellte Unterwäsche auch diejenige seiner Ehefrau gewesen sein. Für den Schöffensenat völlig unglaubwürdig. So ergingen bei einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Haft dreieinhalb Jahre Gefängnis. Der Überführte verlangte Bedenkzeit.