Letztes Update am Di, 12.02.2019 21:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

„El Chapo“ schuldig: Drogenboss nimmt Verurteilung „positiv“ hin

Der Mexikaner Joaquin „El Chapo“ Guzman wurde in sämtlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen und muss damit für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Dieses Urteil hat er selbst laut seinen Anwälten „positiv“ hingenommen.

Drogenboss Joaquin Guzman, besser bekannt als "El Chapo".

© REUTERS/RomeroDrogenboss Joaquin Guzman, besser bekannt als "El Chapo".



New York – Der mexikanische Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán nimmt den Schuldspruch seinen Anwälten zufolge „positiv“ hin. „Wir waren ganz ehrlich gesagt verärgerter als er“, sagte Guzmáns Anwalt Jeffrey Lichtman nach dem Urteil am Dienstag in New York. „Er ist ein sehr optimistischer Typ, er hat uns wieder bessere Laune gemacht.“

Der 61-Jährige sei insgesamt ein positiver Mensch, gerade vor dem Hintergrund, dass er voraussichtlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen müsse. Die Jury hatte Guzmán nach dem Prozess über fast drei Monate in allen zehn Anklagepunkten schuldig gesprochen. Guzmán muss damit lebenslang hinter Gitter. Richter Brian Cogan muss das Strafmaß noch offiziell verkünden.

Trotz der mitunter erdrückenden Beweislast und der vollständigen Verurteilung in allen Anklagepunkten wollten Guzmáns Verteidiger „natürlich“ Berufung einlegen, wie Lichtman sagte. „Der Kampf ist noch nicht vorbei“, sagte Lichtman. Über den äußerst harten Gerichtsprozess sagte er: „Wir haben wie die Teufel gekämpft.“

Todesstrafe war ausgeschlossen

Den Schuldspruch fällte die Jury am Dienstag nach sechstägigen Beratungen. Die Geschworenen befanden Joaquin Guzman in allen zehn Anklagepunkten für schuldig, wie Richter Brian Cogan am Dienstag in New York verkündetet.

Für den schwersten Anklagepunkt, die Beteiligung an einer Verbrecherorganisation, schreibt das Strafgesetzbuch der USA lebenslange Haft vor. Guzman kann keinen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen und dürfte damit bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben.

Die nach US-Bundesgesetz zulässige Todesstrafe war in dem Verfahren nach einer Einigung zwischen den USA und Mexiko, die Guzman nach seiner Festnahme ausgeliefert hatten, ausgeschlossen. Die weiteren der insgesamt zehn Anklagepunkte drehten sich um die Herstellung und internationale Verbreitung von Kokain, Heroin, Metamphetamin und Marihuana sowie den Gebrauch von Schusswaffen und Geldwäsche.

Anwälte stellten Zeugen als Lügner dar

Rund 35 Stunden über sechs Tage hatten die zwölfköpfige Jury aus acht Frauen und vier Männern über Guzmans Schuld oder Unschuld diskutiert. Auch eine Verurteilung in nur einem oder einigen der Anklagepunkte hätte für Guzman mit ebenfalls eine jahrelange oder lebenslange Haftstrafe bedeutet. Ein Freispruch schien angesichts der teils erdrückenden Beweislast sehr unwahrscheinlich.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess über zweieinhalb Monate massenhaft Beweismaterial vorgelegt und mehr als 50 Zeugen aufgerufen. Guzmans Anwälte riefen dagegen nur einen einzigen Zeugen auf und beendeten ihre Verteidigung des Falls innerhalb von 30 Minuten. Ihre Strategie bestand im Wesentlichen darin, die Zeugen der US-Regierung als Lügner darzustellen, die durch Aussagen gegen Guzman lediglich eigene Haftstrafen verringern wollten. Guzman selbst hatte darauf verzichtet auszusagen.

Guzman ist derzeit in einem Hochsicherheitsgefängnis in New Yorks Stadtteil Manhattan eingesperrt. Offen ist, ob er seine Strafe dort absitzen soll oder in eine andere Haftanstalt verlegt wird. In Mexiko gelang es Guzman bereits zwei Mal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten.

Für US-Regierung „blutige Herrschaft“ beendet

Die US-Regierung feiert den Schuldspruch indes als großen Erfolg. Das Urteil zeige die „herausragende Reichweite der US-Regierung“, teilte der interimistisch amtierende US-Justizminister Matthew Whitaker nach dem Urteil am Dienstag mit.

Guzmáns „kriminelles Unternehmen flutete die Straßen der Vereinigten Staaten mit Hunderten Tonnen Kokain sowie enormen Mengen anderer gefährlicher Drogen wie Heroin und Methamphetamin“, hieß es in der Stellungnahme. Guzmán habe unaufhörlich versucht, den Einfluss des von ihm geführten Sinaloa-Kartells auszubauen und an Macht zu gewinnen, erklärte der US-Präsident Donald Trump nahe stehende Whitaker. Das habe zu einer „Welle der Korruption und Gewalt“ in Mexiko sowie in den USA geführt.

Das Urteil sei in dem Kampf gegen Drogenschmuggel eine „unwiderlegbare Botschaft an die in Mexiko verbleibenden Hauptakteure, dass sie letztlich festgenommen und verurteilt werden“. Die USA und Mexiko würden weiter mit allen Mitteln gegen Drogenschmuggler und deren Organisationen kämpfen.

Staatsanwalt Richard Donoghue sagte, Guzmáns „blutige Herrschaft an der Spitze des Sinaloa-Kartells ist beendet, und der Mythos, dass er nicht zur Rechenschaft gezogen werden könne, ist widerlegt“. Unter anderem lobten auch Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen und die Spitzen der Drogenbekämpfungsbehörde DEA und der Bundespolizei FBI das Urteil. (APA/AFP/dpa/TT.com)




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