Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.02.2019


Bezirk Schwaz

Prozess gegen Achenseebahn nimmt Fahrt auf

Verhandlung um Verhandlung saß Georg Fuchshuber als Achenseebahn-Vorstand vor dem Richter und wurde befragt. Am Mittwoch nahm nun ein anderer dort Platz und zwar Aufsichtsratsvorsitzender Christian Kittl.

Georg Fuchshuber diskutierte am Vorabend der Gerichtsverhandlung beim TT-Forum mit.

© FankhauserGeorg Fuchshuber diskutierte am Vorabend der Gerichtsverhandlung beim TT-Forum mit.



Von Eva-Maria Fankhauser

Innsbruck, Jenbach – Seine Miene wirkte versteinert. Er versuchte, seine Nervosität zu verbergen. Die linke Hand lag zur Faust geballt am Tisch. Die andere spielte nervös mit einem Kuli. Verhandlung um Verhandlung saß Georg Fuchshuber als Achenseebahn-Vorstand vor dem Richter und wurde befragt. Am Mittwoch nahm nun ein anderer dort Platz und zwar Aufsichtsratsvorsitzender Christian Kittl. Er lehnte lässig im Stuhl, während Fuchshubers Anwalt Walter Ratt seine Fragen stellte. Nervosität? Fehlanzeige.

Seit knapp sechs Jahren wird am Landesgericht prozessiert. Ex-Vorstand Bernhard Marchi hat die Achenseebahn aufgrund seiner Entlassung geklagt. Die Vergleichsangebote schlug der Aufsichtsrat aus. Die Hoffnung war groß, dass der Prozess an diesem Tag mit einem Urteil endet. Aber Anwalt Ratt verstand sich darauf, viele detaillierte Fragen zu formulieren. Oder auch darauf, minuntenlang in den Aktenbergen vor sich nach Dokumenten zu suchen.

„Dann werden wir heute wieder nicht fertig?“, fragte Marchis Anwalt Hanns Forcher-Mayr. Ratt bestätigte dies. Der Richter bat Ratt um eine etwas schnellere Vorgehensweise. Denn dieser hatte einen Stapel mit 88 Belegen vor sich, die er Stück für Stück Kittl reichte und ihn dazu befragte. „Ich bitte um Verständnis, dass ich so arbeite“, sagte Ratt mit einem Schulterzucken. Zettel für Zettel erläuterte Kittl, dass dies keine ordnungsgemäßen Rechnungen seien. Laut ihm hat Marchi rund 40.000 Euro auf sein Privatkonto eingestrichen. Von Veruntreuung bis zu falschen Lohnverrechnungen und einer Schwarzgeldkassa wiegen die Vorwürfe schwer. „Die Bilanzen sind grob falsch und das wurde vorsätzlich verschwiegen“, sagte Kittl. Er war bereits 2009 überzeugt, dass die Achenseebahn konkursreif sei. „Die Personalplanung hätte gleich geprüft und auf neue Füße gestellt werden müssen. Mit diesem Wissen hätte man schon viel früher die Notbremse ziehen können“, sagte er.

Sieben Belege und etwa eine Stunde später kochte bei Marchi die Ungeduld hoch. Kurz darauf macht sie der Resignation Platz. Im September steht der nächste Gerichtstermin an. Richter Werner Auer hängte gleich einen zweiten Verhandlungstag dran. Wohl in der Hoffnung, dann den Akt schließen zu können.

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